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2000-Einwohner-Ort zeigt, wie ernst Deutschlands Wasser-Problem ist


Viele Regionen kämpfen mit Engpässen: Deutschland hat ein Wasser-Problem, für die Lösung muss jeder auf Gewohnheiten verzichten

Montag, 25.04.2022, 06:58

In der bayerischen Gemeinde Hurlach wird das Wasser knapp. Die Bürger sind aufgerufen, bei der Toilettenspülung zu sparen und ihre Pflanzen nach Möglichkeit nur noch mit Regenwasser zu gießen. Was in dem 2000-Einwohner-Ort passiert, droht womöglich auch anderen deutschen Regionen.

Hurlach heißt eine kleine bayerische Gemeinde, die unverhofft in die Schlagzeilen geraten ist. Grund dafür ist der Wassermangel, der in dem 2000-Einwohner-Ort herrscht. „Wir hatten solche Probleme zwar schon mal“, sagt Bürgermeister Andreas Glatz im Gespräch mit FOCUS Online. „Allerdings nicht zu dieser Jahreszeit, nicht so früh.“

Hurlach bekommt sein Wasser im Gegensatz zu anderen Gemeinden aus Quellen. Diese führen aktuell deutlich weniger Wasser als noch im vergangenen Jahr. „Im März haben wir 19,4 Liter professional Sekunde gemessen, 2021 waren es zum Vorjahreshoch noch 35,5 Liter“, sagt Glatz.

Deshalb hat der Bürgermeister nun ein Schreiben an die Einwohner verschickt. Darin ruft er sie zum Wassersparen auf – Blumen sollen sie beispielsweise nur noch mit Regenwasser gießen und beim Toilettengang die Spar-Spültaste drücken. „Wenn das so weitergeht, müssen wir uns wirklich Gedanken machen“, sagt Glatz.

Nicht nur in Hurlach wird das Wasser knapp

Hurlach ist nicht die einzige Gemeinde, die mit Wasserknappheit zu kämpfen hat. Wie der „Bayerische Rundfunk“ (BR) berichtet, weisen 63 Prozent aller bayerischen Messstellen, die das oberflächennahe Grundwasser kontrollieren, derzeit niedrige oder sehr niedrige Wasserstände auf. Aus dem Grundwasser speist sich nicht nur ein Großteil unseres Trinkwassers, es ist auch wichtig für die Bewässerung von Pflanzen und Bäumen sowie die Schifffahrt.

Peter Fritsch, der stellvertretende Leiter der Abteilung für Grundwasserschutz, Wasserversorgung und Altlasten beim Bayerischen Landesamt für Umwelt, sprach im „BR“ von einer außergewöhnlichen Situation. Doch nicht nur in einigen bayerischen Regionen ist die Wasser-Lage angespannt.

Nikolaus Geiler, Biologe und Gewässerkundler aus Freiburg, erklärte vor wenigen Wochen im „SWR“, dass es auch im rheinhessischen Hügelland zu Enpässen kommt. In manchen Dörfern und Kleinstädten gibt es dem Experten zufolge nicht mehr genügend Grundwasser, um die Einheimischen zu versorgen. Verbundleitungen, die das Wasser aus anderen Regionen ins Hügelland transportieren, sollen Abhilfe schaffen.

In Brandenburg ist das Grundwasser sogar so knapp, dass der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) damit begonnen hat, in neuen Verträgen mit Privathaushalten eine Deckelung der Wasserversorgung zu vereinbaren. Das sei notwendig für den Fall, dass nicht mehr Wasser aus dem Boden gepumpt werden dürfe, um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, hieß es.

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Deutschland „gehört zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit“

Deutschland hat ein Wasser-Problem. Das legen nicht nur niedrige Grundwasserpegel, Rationierungspläne und Wasser-Spar-Briefe nahe, sondern auch Daten der sogenannten Grace Satelliten (Gravity Recovery And Climate Experiment). Sie messen seit zwanzig Jahren die Variationen im Erdschwerefeld, das sich durch den unterschiedlichen Wassergehalt verändert.

„Der Wasserrückgang in Deutschland beträgt etwa 2,5 Gigatonnen oder Kubikkilometer im Jahr. Damit gehört es zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit“, sagte Jay Famiglietti, der Direktor des Global Institute for Water Security, der „Deutschen Welle“. Die Bundesrepublik, so erklärt er es, habe in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren. „Das ist unvorstellbar viel.“

Dafür, dass zunehmend Engpässe auftreten, ist zum einen der Klimawandel verantwortlich. Schließlich verdunstet mit steigenden Temperaturen auch mehr Wasser. Und bei Starkregenereignissen fließt ein Großteil des Wassers einfach ab, kommt additionally gar nicht erst in den Grundwasserkörpern an. Ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Instituts zeigt, dass nicht nur im Südwesten der Republik „excessive“ oder „außergewöhnliche“ Dürre herrscht. Auch im Norden und Osten Deutschlands ist der Boden in der Tiefe ausgedörrt.

„2018 und 2019 sind aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in einigen Regionen die Grundwasserstände in den oberflächennahen Grundwasserleitern deutlich gefallen und bis heute nicht wieder aufgefüllt“, sagt Jörg Rechenberg im Gespräch mit FOCUS Online. Er leitet das Fachgebiet „Übergreifende Angelegenheiten Wasser und Boden“ beim Umweltbundesamt.

Welche Regionen besonders von der Trockenheit betroffen sind, hängt laut dem Experten von mehreren Faktoren ab. „Neben den Niederschlägen spielen die Beschaffenheit der Böden und deren Versiegelungsgrad sowie die jeweiligen Wasserentnahmen in der Region eine Rolle für die Grundwasserneubildung.“

Nicht allein der Klimawandel ist schuld an Engpässen

Doch es ist nicht allein der Klimawandel, der zu Wasserengpässen führt. „Für viele Menschen ist es selbstverständlich geworden, dass Wasser aus dem Wasserhahn kommt“, sagt Bürgermeister Glatz. Er sieht einen oftmals zu sorglosen Umgang mit dem „blauen Gold“.

Tatsächlich verbrauchten die Deutschen 2021 im Schnitt 127 Liter Trinkwasser am Tag, wie aus Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervorgeht. Das entspricht zwar ungefähr dem Niveau der Vorjahre. Statistiken des BDEW zeigen aber auch, dass der Wasserverbrauch professional Person von 2013 bis 2020 immer weiter angestiegen ist.

In anderen Bereichen liegt er aber noch deutlich höher. „Die wichtigsten Wasserentnahmen erfolgen in Deutschland durch die Energieversorgung und den Bergbau, das verarbeitende Gewerbe, die öffentliche Wasserversorgung und die Landwirtschaft“, heißt es im Entwurf einer nationalen Wasserstrategie, den das Bundesumweltministerium im vergangenen Jahr vorgelegt hat.

Gerade in der Landwirtschaft könnte der Verbrauch künftig noch weiter steigen. Denn bleibt der Regen länger aus, müssen Bauern ihre Äcker häufiger bewässern. Der Verbrauch ist hoch, der Klimawandel ein immer drängenderes Thema. Was additionally tun, um dem Wassermangel zu begegnen? Und größere, zukünftige Engpässe zu vermeiden?

Glatz: „Noch müssen wir das Wasser nicht rationieren“

Manche Experten schlagen vor, Wasser in der Landwirtschaft gezielter zu nutzen – zum Beispiel per Tröpfchenbewässerung. Auch Dürremanagementpläne, wie es sie im Mittelmeerraum gibt, halten sie für sinnvoll. Solche Konzepte geben Warnstufen vor, ab denen Tätigkeiten wie etwa das Füllen eines Swimmingpools nicht mehr erlaubt sind.

Daneben könnten Bach- und Flussläufe renaturiert werden, damit das Wasser nicht zu schnell abfließt, sondern versickern kann. Der Umweltverband BUND hat im vergangenen Jahr sogar ganz konkret gefordert, Flusslandschaften wieder zu ihrer natürlichen Form zurückzubauen. Und natürlich sollte jeder Verbraucher bewusster mit dem wertvollen Nass umgehen. „Wir müssen bereits jetzt Maßnahmen einleiten, um auf die erwartbaren zumindest regionalen und saisonalen Knappheitssituationen vorbereitet zu sein“, sagt Rechenberg.

Bürgermeister Glatz will Anfang Mai einen weiteren Brief an die Hurlacher verschicken. „Da werde ich noch einmal anmerken, dass man auch beim Pool-Füllen im Sommer sparsam sein oder ganz darauf verzichten sollte“, sagt er. Wirklich eng wird es mit der Wasserversorgung in seiner Gemeinde aktuell zwar nicht.

Das liegt allerdings daran, dass Glatz Wasser über die Stadtwerke Landsberg zukaufen kann. Eigentlich eine Notlösung. „Noch muss das Wasser in Hurlach nicht rationiert werden. Ich bin aber besorgt, wenn ich mir überlege, wie es bei uns vielleicht in einigen Jahren aussieht.“

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sca/





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