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80. Geburtstag Muhammad Alis: Schlagfertig, selbstbewusst, legendär


Stand: 15.01.2022 10:18 Uhr

Muhammad Ali wurde als einziger Athlet dreimal Weltmeister aller Boxverbände. Jenseits des Rings war er Publikumsliebling und Stimme der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Heute wäre er 80 Jahre alt geworden.

Im Oktober 1974 trifft Muhammad Ali, mit 32 Jahren von vielen Experten bereits zum alten Eisen sortiert, auf den wesentlich jüngeren Schwergewichtsweltmeister George Foreman. Promoter Don King veranstaltet den Kampf mit finanzieller Unterstützung des örtlichen Diktators Mobutu Sese Seko im zentralafrikanischen Zaire. Der damals “Rumble in the Jungle” genannte Kampf geht in die Sportgeschichte ein, ist mit geschätzt einer Milliarde Fernsehzuschauern das meistgesehene TV-Event seiner Zeit. Doch der Kampf ist auch Testament, Vermächtnis und ewiges sportliches Denkmal eines beispiellosen Athleten, einer Ikone des 20. Jahrhunderts.

Das spektakuläre Ende eines außergewöhnlichen Boxkampfes in Kinshasa: Kurz vor Ende der achten Runde schlägt Ali Foreman zu Boden und holt sich den Weltmeistertitel zurück. So ekstatisch wie Ali ist auch das Publikum – und der Moments der Niederlage wird zu einem ikonischen Bild.

Bild: SWR/Getty Images

Cassius Clay, der seinen Geburtsnamen schon mit Anfang 20 als “Sklavennamen” verteufelt, zum Islam konvertiert und sich fortan Muhammad Ali nennt, schreibt Geschichte. Dass der junge Mann ein Ausnahmetalent ist, stellt er im Ring frühzeitig unter Beweis: Mit 22 ist er der jüngste Champion im Schwergewicht. Sein überbordendes Selbstbewusstsein lässt ihn dabei auch größere, vermeintlich stärkerer Gegner herausfordern und im Voraus medienwirksam verspotten. Er beginnt, die eigenen K.O.-Siege schon vor dem Kampf rundengenau anzukündigen – und die Presse liebt ihn dafür.

Gern gesehener Talkshow-Gast

Als Ali im Laufe seiner Karriere die größten jener goldenen Ära des Boxens schlägt – Sonny Liston, Floyd Patterson, Ken Norton, Joe Frazier, Foreman – beginnt er, seinen Einfluss auf die Öffentlichkeit auch jenseits des Boxrings zu nutzen. Der gutaussende, charmant-schlitzohrige Ausnahme-Athlet ist gern gesehener Gast in US-Talkshows und er nutzt seine Popularität, um gesellschaftliche Missstände wie die fehlende Gleichberechtigung der schwarzen US-Amerikaner anzuprangern.

Er verweigert seinen Kriegsdienst und verliert infolgedessen seinen Weltmeistertitel und seine Boxlizenz. Als Grund für seine Entscheidung gibt er damals an, er sei nicht bereit, im Vietnamkrieg Fremde im Namen eines Landes zu töten, das die schwarze Bevölkerung im eigenen Land unterdrücke. So wird Ali zu einer lauten Stimme der aufkeimenden Bürgerrechtsbewegung. Seine vorübergehende Nähe zu radikaleren Kräften wie der “Nation of Islam” und deren Wortführer Malcolm X wird kontrovers diskutiert, doch seiner Karriere schaden kann sie nie.

Gerappte Schmähungen der Gegner

In den späteren Jahren schwindet Alis Einfluss auf den Sport im Ring. Seine Parkinson-Erkrankung wirft hier schon ihre Schatten voraus. Durch Auftritte wie den Showkampf 1976, als er sich boxend einem japanischen Catch-Wrestler Antonio Inoki stellt und so fast beiläufig den ersten medial breit dokumentierten Mixed Martial-Arts-Kampf der Geschichte liefert, bleibt er jedoch ein Pionier.

Heutige Generationen von Hip Hop-, Soul- und R&B-Künstlern erkennen gar in den legendären Schmähungen seiner Gegner auf den kampfbegleitenden Pressekonferenzen, von Ali gerne rhythmisch gereimt und bissig-pointiert im Sprechgesang vorgetragen, eine kulturelle Vorstufe des Rap.

Alis Schnelligkeit, seine Gerissenheit und Genesungskraft machen ihn in und außerhalb des Boxrings zur Legende. Doch auch sein Charisma und sein provozierendes Spiel mit den Medien machten ihn zu einer so einflussreichen Figur des 20. Jahrhunderts.

Zu Ehren seines 80. Geburtstags ermöglichen ein Event-Schwerpunkt in der ARD Mediathek und eine lange Nacht im Ersten (in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar 2022, ab 0:05 Uhr) verschiedene Perspektiven auf den Mann, den Boxer, den Widerstandskämpfer und die kulturell so einflussreiche Figur Muhammad Ali (1942-2016), unter anderem mit den preisgekrönten Dokumentarfilmen “When We Were Kings”, “Facing Ali” und “Soul Power”.



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