Politics

Ärzte-Mord in Bayreuth: Die Nachbarn haben einen schrecklichen Verdacht


Ingo L. (Name von der Redaktion geändert) kann immer noch fassen, was in der Nacht zum Sonntag nur wenige Meter von seinem Familienheim in Mistelbach im bayerischen Landkreis Bayreuth entfernt passiert ist. Es ist kurz vor Mitternacht, als der Familienvater das Auto in der Garage parkt, seiner Frau einen Kuss gibt und dann ins Bett geht. Er schläft tief und fest – und bekommt nichts mit von dem tragischen Mord in seiner unmittelbaren Nachbarschaft, der jetzt ganz Deutschland schockiert.

„Wäre ich nur eine knappe halbe Stunde später nach Hause gekommen, hätte ich sie vielleicht gehört“, sagt Ingo L. im Gespräch mit FOCUS Online – und meint: die Hilfeschreie von Stefan S. († 51) und dessen Ehefrau Antje († 47). Das Ärztepaar stirbt in dieser Nacht auf brutale Art und Weise in seinem eigenen Heim. Ihre Leichen werden später im Souterrain des Hauses gefunden. Laut Polizei wurden sie erstochen. Tatverdächtig und inzwischen offenbar geständig: Felix S. (18), der Freund der ältesten Tochter, der bei der Familie gewohnt haben soll.

Ärzte-Paar brutal ermordet: “Was hatte ich getan, wenn ich wach gewesen wäre?

Nachbarn hörten offenbar noch die Hilfeschreie von Mutter und Vater in der Nacht und alarmierten die Polizei. Nicht so Ingo L.. Der Mistelbacher schläft nur wenige Meter vom Mordschauplatz entfernt und fragt sich jetzt: „Was hätte ich getan, wenn ich wach gewesen wäre? Hätte ich ihr Haus stürmen sollen? Ich weiß es nicht.“

Ingo L. steht wie der gesamte 1600-Einwohner-Ort unter Schock. Nur 30 Meter liegen zwischen seinem Grundstück und dem der Familie von Stefan S. und seiner Frau Antje. Er hat die Bilder noch genau vor Augen – von der „glücklichen Familie, die im Garten gemeinsam Pfeil und Bogen schießt, weil das ihr großes Hobby war“. Oft sieht Ingo L. auch die ältere Tochter des renommierten Ärztepaares, wie sie im Garten die Hasen füttert.  „Alles war so friedlich, alles war so normal“, sagt Ingo L..

“So ein guter Arzt, so ein lieber Mensch”: Stefan S. und seine Frau waren beliebt, lebten aber zurückgezogen

Trotz der räumlichen Nähe entwickelt sich nie wirklich ein intensiver Kontakt zwischen der Familie und den anderen Nachbarn, berichtet Ingo. L. weiter. „Wir leben seit 2000 hier, die Familie hat erst vor vier oder fünf Jahren hier ihr Haus gebaut. Einmal hat sich ihr Hund bei uns im Garten verirrt und wir haben ihn zurückgebracht. Mehr Kontakt hatten wir aber nicht wirklich. Sie waren eher zurückgezogen.“

Dennoch war die Familie mit den vier Kindern in der kleinen bayerischen Gemeinde hoch angesehen. Der Vater leitete seit mehr als zehn Jahren eine Kinderarztpraxis und widmete sich vor allem dem Thema Depression bei Kindern und Jugendlichen. Auf der Praxisseite wird Stefan S. als sorgsamer und engagierter Arzt beschrieben. Das kann auch sein Nachbar bestätigen: „Man hörte fast von jedem in der Nachbarschaft: Wir sind mit unseren Kindern auch bei Doktor S. – er ist so ein guter Arzt, so ein lieber Mensch.“

Mord in Bayreuth: Die Nachbarn haben einen schrecklichen Verdacht

Doch das Familien-Idyll des Ärztepaars hatte offenbar auch Risse. Es soll schon seit Längerem “Stress mit der ältesten Tochter” gegeben haben, berichtet Ingo L. gegenüber FOCUS Online. „Sie war kurz davor bei ihren Eltern auszuziehen, heißt es in der Nachbarschaft. Und viele hier glauben, dass die Eltern ihren Freund, der nun unter Mordverdacht steht, nur aufgenommen haben, um sie zu halten.“

Der wahre Grund für den brutalen Mord an dem beliebten Ärztepaar ist indes offiziell noch nicht geklärt. In Mistelbach legen derweil Freunde und Nachbarn von Stefan S. und seiner Frau Kerzen vor der Haustüre des ermordeten Paares ab. Ingo L. geht jeden Abend mit seinem Hund an den Absperrbändern vorbei und fragt sich wie viele andere Mistelbacher: „Wann kennen wir das wahre Motiv für diese Tat?“





Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published.