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Charité baut Super-Klinik auf Virchow-Campus


Von Birgit Bürkner

In einer Zeit medizinischer Höchstleistung gibt es noch immer viele Erkrankungen, die nicht heilbar sind. Krebsleiden, Autoimmunprozesse und manche Infektionen, jüngstes Beispiel Corona. Wissenschaftler der Charité entwickeln die nächste Generation Arzneimittel, die einen Durchbruch in dieser Problematik bringen sollen.

Die Medikamente sind spezialisierte, lebende Zellen! Für die Spitzenforscher werden eigens zwei neue Forschungsgebäude auf dem Campus Virchow-Klinikum in Wedding errichtet. Kommenden Montag wird Richtfest gefeiert.

Ausgestattet mit zehn hermetisch abgeschlossenen, sterilen Hightech-Laboren, bieten sie optimale Bedingungen für die Entwicklung von Arzneimitteln nach EU-Norm. Einziehen wird unter anderem das „Berlin Center for Advanced Therapies“ („Berliner Zentrum für fortgeschrittene Therapien“).

Wie funktionieren die neuartigen Arzneimittel?

„Wir haben gelernt, menschliche Zellen anhand ihrer Oberflächenmerkmale zu unterscheiden. Die Moleküle und Rezeptoren, die dort sitzen, können wir wie einen Ausweis lesen“, sagt Gründungsdirektorin Prof. Petra Reinke (69).

Prof. Petra Reinke öffnet einen Stickstofftank, in dem Zellen bei minus 180 Grad konserviert werden, im jetzigen alten Forschungsgebäude an der Föhrer Straße. Dort herrschen beengte Verhältnisse
Prof. Petra Reinke öffnet einen Stickstofftank, in dem Zellen bei minus 180 Grad konserviert werden, im jetzigen alten Forschungsgebäude an der Föhrer Straße. Dort herrschen beengte Verhältnisse Foto: Stefanie Herbst

„Jede Zelle hat sich spezielle Eigenschaften erworben. T-Abwehrzellen sind beispielsweise für die Immunantwort des Körpers wichtig. Einige dieser Zellen sind sogar in der Lage, getarnte Tumore zu erkennen und zu eliminieren. Andere, sogenannte regulatorische T-Zellen, regeln überschießende Entzündungsreaktionen herunter.“

All diese Zellen können die Forscher im Blut des Menschen identifizieren, isolieren und in einer Nährlösung im Labor vermehren. In millionenfacher Konzentration sind sie dann als Therapeutika über eine Infusion einsetzbar. Momentan sind sie noch in Studienphasen.

Laborassistent Martin Gutte füllt mit der Pipette in roter Nährlösung schwimmenden Zellen in Versuchsröhrchen
Laborassistent Martin Gutte füllt mit der Pipette in roter Nährlösung schwimmenden Zellen in Versuchsröhrchen Foto: Stefanie Herbst

Wer kann geheilt werden?

„T-Zellen, die hochspezifische Tumorzellen attackieren, können wir Krebs-Patienten verabreichen“, so Reinke. „Regulatorische T-Zellen helfen bei Autoimmunerkrankungen, fehlgeleitete, Gewebe angreifende Immunzellen zu beruhigen.“ Etwa bei Rheuma, Lupus erythematodes, Neurodermitis oder Colitis ulcerosa.

Die Zellen haben sich im Inkubator bei 37 Grad vermehrt. Mit bloßen Auge erkennt man das als Trübung in der Nährlösung
Die Zellen haben sich im Inkubator bei 37 Grad vermehrt. Mit bloßen Auge erkennt man das als Trübung in der Nährlösung Foto: Stefanie Herbst

Der Neubaukomplex soll Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden. Die Kosten von 29,5 Millionen Euro zahlen hälftig Bund und Land.

Biotechnologin Sandra Münch untersucht die Zellen im sogenannten Flow-Zytometer auf Oberflächenmerkmale
Biotechnologin Sandra Münch untersucht die Zellen im sogenannten Flow-Zytometer auf Oberflächenmerkmale Foto: Stefanie Herbst

Ebenfalls unterkommen wird das Forschungszentrum „Der simulierte Mensch“. In ihm modellieren Wissenschaftler menschliche Zell- und Organfunktionen, um Entstehungsmechanismen von Krankheiten zu simulieren.

Die Erkenntnisse aus dem Labor sollen sogleich Patienten zugutekommen.



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