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Christmette im Vatikan: Papst fordert Bescheidenheit


Stand: 24.12.2021 21:34 Uhr

Unter Corona-Bedingungen hat Papst Franziskus in Rom die Christmette gefeiert. Das katholische Kirchenoberhaupt forderte, von der Gier abzulassen und Gott in den einfachen Gesten des Alltags zu erkennen.

Zu Weihnachten hat Papst Franziskus die Menschen zu Demut und Bescheidenheit aufgerufen. “Gott offenbart sich, aber die Menschen verstehen ihn nicht”, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in der Christmette an Heiligabend im Petersdom. Es sei die große Herausforderung von Weihnachten, Gott in der Kleinheit zu erkennen: “Gott steigt herab und wir wollen auf das Podest klettern. Jesus wurde geboren, um zu dienen, und wir verbringen unsere Jahre damit, dem Erfolg nachzujagen.”

Die Größe Gottes schenke sich dem Menschen “in der Kleinheit”, sagte Franziskus. “Gott sucht die Hirten, die Unsichtbaren; wir wollen gesehen werden”, so der Papst. “Gott sucht nicht Stärke und Macht, er wünscht Zärtlichkeit und innere Bescheidenheit.” Die “Gnade der Kleinheit” bedeute, Gott in den einfachen Gesten des Alltags zu erkennen und anzunehmen. “Wenn er dort mit uns ist, was fehlt uns dann? Weinen wir also nicht der Größe nach, die wir nicht haben. Hören wir auf, zu jammern und lange Gesichter zu machen, und lassen wir ab von der Gier, die uns immer unbefriedigt lässt!”

Schon beim traditionellen Weihnachtsempfang der römischen Kurie – der vatikanischen Kirchenverwaltung – am Donnerstag rief Franziskus zur Demut auf. “Nur wenn wir dienen und unsere Arbeit als Dienst verstehen, können wir wirklich für alle nützlich sein”, erklärte er vor den Kardinälen und Kurienbischöfen.

Für Papst Franziskus ist es das neunte Weihnachtsfest als Kirchenoberhaupt.

Bild: REUTERS

Fokus auf die arme arbeitende Bevölkerung

Zudem gehe es darum, “Jesus in den Kleinen von heute in die Arme zu schließen”, ihn in den Geringsten zu lieben. Weil Gott am Rand, in der Nähe der Vergessenen zur Welt kam, dort “wo die Menschenwürde auf die Probe gestellt wird”, würden Ausgeschlossene geadelt. “Sie sind die Auserwählten, die uns eines Tages im Himmel empfangen werden”, so Franziskus.

Die Hirten an der Krippe stünden für die arme, arbeitende Bevölkerung, sagte der Papst weiter. Gott sei auch in die Welt gekommen, um “die Härte der Arbeit mit Würde zu erfüllen”. Der Mensch sei Herr, nicht Sklave der Arbeit, so Franziskus. “An dem Tag, an dem wir das Kommen des Lebens feiern, wollen wir erneut sagen: keine weiteren Todesfälle bei der Arbeit. Setzen wir uns dafür ein.”

Die Lesungen der Christmette wurde auf Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch gehalten. Die Fürbittgebete trugen Gläubige auf Chinesisch, Arabisch, Portugiesisch, Französisch und Hindi vor.

Mit Maske und Mindestabstand

Der 85-Jährige feierte auch in diesem Jahr Heiligabend unter Corona-Bedingungen. An dem Gottesdienst im Petersdom nahmen rund 1500 Gläubige aus aller Welt und Mitglieder des Diplomatischen Corps teil. Gemeinsam mit Franziskus zelebrierten 26 Kardinäle und 18 Bischöfe der römischen Kurie. Wegen der Corona-Auflagen mussten sie Masken tragen und sich an den Mindestabstand halten.

Bei 13 Grad und grauem Himmel feierten auf dem Petersplatz einige hundert Menschen die Heilige Nacht vor der Basilika mit. Sie konnten den Gottesdienst auf Großbildschirmen verfolgen. Zwar haben die italienischen Behörden einige Maßnahmen gegen die Pandemie verschärft, weshalb der Vatikan die Christmette vorverlegt hatte. Aufenthalte im Freien sind aber weiter möglich. Wie schon in früheren Jahren herrschten rund um den Vatikan erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Am Samstag spendet Franziskus nach seiner Weihnachtsbotschaft von der Loggia des Petersdoms aus den festlichen Segen “Urbi et Orbi” (der Stadt und dem Erdkreis).



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