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DFB-Entscheidung zu Drittliga-Spiel: Warum jede Beleidigung ein Einzelfall bleiben muss




Kommentar

Stand: 23.12.2021 18:56 Uhr

Das wegen Rassismus-Vorwürfen abgebrochene Drittligaspiel zwischen Duisburg und Osnabrück wird wiederholt. Diese Entscheidung ist richtig. Birgt aber auch Brisanz: Werden Beleidigungen zum Stilmittel? Ein Kommentar.

Der DFB hat entschieden: Das wegen des Rassismus-Eklats abgebrochene Drittligaspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück wird wiederholt. Diese Entscheidung ist richtig. Die Osnabrücker Spieler sahen sich nicht mehr dazu in der Lage, die Partie, die zum Zeitpunkt des Abbruchs 0:0 stand, weiterzuführen.

Rassistische Beleidigungen von den Rängen sind nicht zu tolerieren und müssen mit Nachdruck verfolgt und geahndet werden. Rassismus gehört ebensowenig in Fußballstadien wie in irgendwelche andere Bereiche unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Provozierter Abbruch darf kein Stilmittel werden

Der tolerierte Abbruch des Spiels birgt aber auch eine Gefahr: die des potenziellen Nachahmens. Vorstellbar ist (leider): Ein Team liegt im Spiel aussichtslos zurück und provoziert einen Spielabbruch. Oder ein Fan eines zurückliegenden Teams sieht einen provozierten Abbruch als Möglichkeit, eine Niederlage seiner Mannschaft abwenden zu können.

Der DFB wird dies bedacht haben, als er sein Urteil fällte. Er weist daher ausdrücklich daraufhin, dass ein möglicher Spielabbruch weiterhin in der Entscheidungsgewalt allein des Schiedsrichters liegt. Der Referee muss in seine Entscheidung mit einfließen lassen: Tatintensität, Täterprofil, Zeitpunkt und Spielstand.

Für die Schiedsrichter wird’s immer schwieriger

Das wird den Schiedsrichter-Job zukünftig mal wieder nicht leichter machen. Vor allem nicht in unteren Spielklassen, in denen die Vorbilder aus dem Profifußball für gewöhnlich unmittelbar kopiert werden.

Das größte Problem für die Unparteiischen wird dabei die Frage nach der Tatintensität darstellen. Bis wohin ist eine Beleidigung noch hinnehmbar? Wo wird es derart unappetitlich, dass ein Spielabbruch gerechtfertigt ist?

Beleidigungen sind Alltagsgeschäft – Rassismus ist aber ein Sonderfall

Die Referees haben dabei nicht nur das Verhalten der Zuschauer, sondern auch jenes der Sportler zu bewerten. Jeder weiß: Gegenseitige Beleidigungen der Spieler untereinander sind Alltagsgeschäft.

Auf dem Fußballplatz wie auf jedem anderen Sportgelände, auf dem Kontaktsport betrieben wird. Der Ton ist mitunter rauh, Trashtalk mutiert durchaus gelegentlich zum taktischen Mittel. Solcherlei Entgleisungen gehören bei Sportlern zum Wettbewerb durchaus dazu, sind aber nach Abpfiff in aller Regel wieder vergeben und vergessen.

Es ist wichtig, dass alle Beteiligten begreifen und vorleben, dass rassistische Beleidigungen einen Sonderfall darstellen. Sie sind niemals zu tolerieren und müssen verschwinden. Im Zweifel müssen eben Mit- und Gegenspieler, Fans und Mannschaftsverantwortliche noch aktiver dabei mithelfen, solch inakzeptables Verhalten aus den Stadien und der Gesellschaft zu verbannen.

Quelle: sportschau.de



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