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Die B.Z.-Filmtipps von „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ bis „Die Odyssee“ – B.Z. Berlin


Sandra Bullock und Brad Pitt konnten mit ihrem Abenteuerfilm „The Lost City“ nur den 2. Platz der deutschen Kinocharts erklimmen. Publikumsliebling bleibt weiterhin der dritte Teil von „Phantastische Tierwesen“. Auf den 3. Platz verweilt der blaue Igel aus „Sonic – The Hedgehog 2“.

Von Markus Tschiedert

Daran dürften auch die Kinobegins der neuen Woche wohl wenig ausrichten können. Obwohl der neue Andreas Dresen-Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ absolut sehenswert ist. Mit „Downton Abbey II – Eine neue Ära“ meldet sich auch noch eine britische Adelsfamilie zurück, die bereits im Fernsehen große Erfolge feierte. Hier unsere Neuvorstellungen.

„Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ – Eine deutsch-türkische Hausfrau verklagt den US-Präsidenten

DIE STORY: Rabiye Kurnaz (Meltem Kaptan) ist eine türkische Hausfrau in Bremen. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2011 erfährt sie, dass ihr Sohn verhaftet wurde. Nun sitzt er in Guantanamo, obwohl die Beweise für seine Schuld fehlen. Rabiye wendet sich an den Anwalt Bernhard Docke (Alexander Scheer), der mit ihr bis an höchste US-Gericht geht.

DIE STARS: Bisher hatte sich Meltem Kaptan als Komikerin („Quatsch Comedy Club“) einen Namen gemacht. Für ihre erste Kinohauptrolle bekam sie sogleich den Silbernen Bären auf der diesjährigen Berlinale. Alexander Scheer bekam 2019 den Deutschen Filmpreis für „Gundermann“. Der Berliner spielte auch schon Keith Richards („Das wilde Leben“) und Andy Warhol („Enfant Terrible“).

DER REGISSEUR: Auch Andreas Dresen bekam für „Gundermann“ den Deutschen Filmpreis. Nach „Halt auf freier Strecke“ und „Wolke 9“ ist es bereits der Dritte für den Berliner.

B.Z.-WERTUNG: Ein wahrer Fall, der einen verzweifeln lassen könnte. Aber trotz höchster Dramatik kitzelt Dresen auch immer wieder heitere Momente aus dem Geschehen, und dank Meltem Kaptan klappt das auch wunderbar (118 Min., frei ab 6).

„Downton Abbey II – Eine neue Ära“ – Eine britische Adelsfamilie in Frankreich

Cora Grantham (Elizabeth McGovern) und Lady Edith Hexham (Laura Carmichael) sind in Downton Abbey 2 auf dem Weg nach Südfrankreich (Foto: UNIVERSAL/ © 2022 Focus Feature)
Cora Grantham (Elizabeth McGovern) und Lady Edith Hexham (Laura Carmichael) sind in Downton Abbey 2 auf dem Weg nach Südfrankreich (Foto: UNIVERSAL/ © 2022 Focus Feature)

DIE STORY: Es herrscht wieder einmal höchste Aufregung auf Downton Abbey. Ein Filmteam hat sich auf dem Anwesen angekündigt. Doch der Hausherr Robert Crawley (Hugh Bonneville) und seine Frau Cora (Elizabeth McGovern) ziehen es vor, nach Südfrankreich zu reisen. Hier hat Lady Violet (Maggie Smith) eine Villa geerbt. Nur wer struggle dieser fremde Gönner?

DIE STARS: Durch die Serie „Downton Abbey“ ist Hugh Bonneville worldwide berühmt geworden und spielte anschließend in „Paddington“ mit. Elizabeth McGovern hatte ihre größte Rille zuvor in „Es struggle einmal in Amerika“ als Geliebte von Robert de Niro. Maggie Smith ist seit über 60 Jahren im Business und auch jungen Zuschauern als Minerva McGonagall aus „Harry Potter“ bestens bekannt.

DER REGISSEUR: Simon Curtis ist seit 30 Jahren mit Elizabeth McGovern verheiratet und hat sich mit „My Weekend with Marilyn“, „Frau in Gold“ und „Goodbye Christopher Robin“ einen Namen gemacht.

B.Z.-WERTUNG: Nach der beliebten TV-Serie gab es 2019 den ersten Kinofilm. Der kam so intestine an, dass es jetzt weitergehen muss. Der Einblick in die englische Aristokratie mitsamt ihrerseits Dienerschaft schafft auch diesmal wieder gediegenes Kinovergnügen mit typisch britischem Biss (126 Min., frei ab 0).

„Everything Everywhere All At Once“ – Wenn man von allem zu viel will

Michelle Yeoh als Evelyn Wang (li.) und Jing Li in einem wilden Film quer durch Zeit und Raum (Foto: Allyson Riggs/AP)
Michelle Yeoh als Evelyn Wang (li.) und Jing Li in einem wilden Film quer durch Zeit und Raum (Foto: Allyson Riggs/AP)

DIE STORY: Evelyn Wang (Michelle Yeoh) stammt aus China und führt in Amerika einen Waschsalon. Doch überall lauert Ärger, womit ihr Leben langsam aus den Fugen gerät. Bis sie die Chance erhält, in andere Dimensionen zu gelangen. Aber der Sprung von einem Universum ins andere hat auch seine Tücken.

DIE STARS: Als Bond-Girl in „Der Morgen stirbt nie“ (1997) und als Martial Arts-Kämpferin in „Tiger & Dragon“ (2000) wurde Michelle Yeoh zum internationalen Star. In einer weiteren Rolle als niedrige Steuerbeamtin taucht Jamie Lee Curtis („Halloween“) auf.

DIE REGISSEURE: Bereits mit „Swiss Army Man“ mit Daniel Radcliffe als Leiche machten Daniel Kwan und Daniel Scheinert 2016 von sich reden.

B.Z.-WERTUNG: Ein irrsinniger Trip, der gern Fantasy-Film, Komödie und Drama in einem wäre. Aber das ist so durchgeknallt, dass man kaum noch folgen kann und die hysterischen Eskapaden durch die Universen bald nur noch nerven. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen (140 Min., frei ab 12).

Der besondere Film: „Die Saat“

Rainer (Hanno Koffler) und seine Tochter lernen schnell die harte Realität kennen, als Job und Geld weg sind (Foto: MissingFilms)
Rainer (Hanno Koffler) und seine Tochter lernen schnell die harte Realität kennen, als Job und Geld weg sind (Foto: LackingFilms)

DIE STORY: Handwerker Rainer (Hanno Koffler) zieht mit seiner Frau Nadine (Anna Blomeier) und der gemeinsamen Tochter in ein renovierungsbedürftiges Stadtrandhaus. Als er seinen Posten als Bauleiter verliert, wird das Geld knapp und stellt die Familie auf die Probe.

DIE STARS: Seine ersten Kinorollen spielte Hanno Koffler in „Anatomie 2“ und „Krabat“. Mit seinen Darstellungen neben Max Riemelt in „Freier Fall“ und in Rosa von Praunheims „Härte“ erhielt der Berliner viel Beifall. Mit Robert Stadlober, der hier seinen widerlichen Chef spielt, stand er schon für „Sommersturm“ vor der Kamera.

DIE REGISSEURIN: Mia Maariel Meyer ist die Lebensgefährtin von Hanno Koffler. Unter ihrer Regie spielte er in „Treppe aufwärts“ (2015) bereits einen Zocker.

B.Z.-WERTUNG: In diesem eindringlichen Sozialdrama wird der Frage nachgegangen, was mit Normalbürgern passiert, die überall den Kürzeren ziehen, weil andere schlicht mehr Macht oder Durchsetzungskraft haben. Blinde Wut ist die Folge, und das wirkt auch beim Publikum lange nach (100 Min., frei ab 12).

Kino für Kids: „Die Odyssee“

Kyona und ihr Bruder Adriel sind auf der Flucht ganz auf sich gestellt, eine Odyssee beginnt (Foto: Grandfilm)
Kyona und ihr Bruder Adriel sind auf der Flucht ganz auf sich gestellt, eine Odyssee beginnt (Foto: Grandfilm)

DIE STORY: Weil eine neue Macht in Europa auf einem Eroberungsfeldzug ist und überall verbrannte Erde hinterlässt, muss auch eine Familie ihr Dorf verlassen. Auf der Flucht gehen Tochter Kyona und ihr kleiner Bruder Adriel verloren. Völlig auf sich allein gestellt, schließen sich die beiden einer Gruppe von Straßenkindern an. Doch immer wieder sind Menschenhändler unterwegs, die Böses wollen.

DIE STARS: Hanna Schygulla spricht die erwachsene Kyona, die aus ihren Erinnerungen erzählt. Der Fassbinder-Star (Die Ehe der Maria Braun“) ist momentan auch in Francois Ozons „Alles ist intestine gegangen“ im Kino zu sehen. Derya Fletschner spricht die junge Kyona. Die Berlinerin steht bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr im Synchronstudio und ist u.a. auch die Stimme von Amandla Stenberg.

DIE REGISSEURIN: Die Französin Florence Miailhe ließ sich durch die Fluchtgeschichte ihrer Mutter Mireille Miailhe im Zweiten Weltkrieg und von Erzählungen der Großmutter inspirieren. Drei Jahre arbeitete sie an ihrem Film, der noch per Hand (Öl auf Glas) und ohne Computertricks entstanden ist.

B.Z.-WERTUNG: Die Story ist von erschreckender Aktualität. Unter Vertreibung, Flucht und Immigration leiden vor allem Kinder und bringt letztlich traumatisierte Erwachsene hervor. Die handgemalten Bilder geben dem Film einen märchenhaften Zauber, jedoch wegen seines Inhalts ist er für ganz kleine Gucker nicht geeignet (84 Min., frei ab 12).



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