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Doku auf den Spuren der Impf-Gegner – und findet einen Arzt, dem Trump vertraut


Weihnachten mit möglichst wenig Familie. Silvester ohne Feuerwerk. Start ins neue Jahr ohne Party. Gerade noch hat das Fernsehen sein Programm geändert, um den neuen Kanzler, schwarze Trauerkrawatte um den Hals, schlechte Stimmung verbreiten zu lassen. Olaf Scholz hat dringlich zu neuer Corona-Vorsicht und zu alten Anti-Corona-Maßnahmen gemahnt.

Jetzt gibt der deutsch-französische Sender Arte der anderen Seite ein Forum: „Impfgegner – Wer profitiert von der Angst?“ Generell machen viele Spekulationen und bunte Gerüchte die Runde, wer vom Geschäft mit Corona Geld verdient. Hier werden ganz andere Profiteure vorgestellt. Das ist verdienstvoll.

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Schon 1796 hieß es: Geimpfte verrohen zu Rindviechern

Seit es Impfungen gibt, gibt es Angst vor Impfungen. Als anno 1796 die Pockenschutzimpfung entwickelt wurde, warnten Menschen davor, dass Geimpfte zu Rindviechern verrohen. Die Impfskepsis fasst die Arte-Dokumentation in Zahlen. Zehn Prozent der Franzosen und 25 Prozent der Deutschen wollten sich nicht impfen lassen, heißt es.

Auf einem Markt in der besonders impfkritischen Ardèche-Region in Frankreich gibt es klare Empfehlungen: gesunde Ernährung, ein gesundes Immunsystem schützen den Menschen, vor allem dann, wenn Kinder täglich eine Stunde Sport treiben. So einfach geht das. Tatsächlich?

„Mörder“ auf dem Krankenwagen, „Giftlager“ auf dem Transporter

In Deutschland richten die Dokumentarfilmer ihre Kamera auf einen Rot-Kreuz-Wagen. „Mörder“, haben Kritiker darauf geschmiert. Auf einem Transporter steht: „Giftlager“.

Als sprudelnde Quelle des Impfhasses identifiziert die Fernsehdokumentation den ehemaligen britischen Arzt Andrew Wakefield. 1998 hat er eine Studie veröffentlicht, nach der die Dreifach-Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln bei Kindern Autismus auslöst. „Das war frei erfunden“, lässt der Fernsehsender darstellen. „Genauso gut hätte er eine Studie veröffentlichen können über Kinder, die nach einem Erdnussbutter-Toast Leukämie entwickeln.“

Wakefield verliert seine Zulassung als Arzt, gewinnt offensichtlich aber an Vermögen.  „Heute ist er einer der größten Profiteure“, sagt der Sender über den Sendungsbewussten. In England breitete sich Impfskepsis aus. 450.000 Euro verdient Wakefield als Kritiker der Dreifach-Impfung – und meldet, so die Doku, zeitgleich ein Patent auf eine Mono-Impfung gegen Masern an. „Er manipulierte bewusst Daten, um seine Theorie zu stützen“, heißt es in der Dokumentation, das sei „nicht nur schlechte Wissenschaft, sondern Betrug“.

Donald Trump macht den Ex-Arzt noch bekannter

Wakefield geht in die USA. In Texas sammelt er Millionenspenden ein. Es wird, wie er sagt, seine „Oase in der Wüste“. Die These ist einfach: Die Impfung schädigt den Darm. Giftstoffe werden frei. Die gelangen ins Gehirn und lösen die Schäden aus. Gegenmaßnahme: Chlordioxid vertreibt Autismus.

Die Kamera zeigt lachende Kinder, die Chlorbleiche schlucken, wie sie in Schwimmbädern eingesetzt wird. US-Präsident Donald Trump greift die Idee als Anregung im Kampf gegen Corona auf. Schon zu seiner Amtseinführung hat er Andrew Wakefield eingeladen.

„Die Pandemie wurde künstlich in die Welt gesetzt…“

Wakefield und seine Impfgegner sollen hinter 75 Prozent der Internet-Posts gegen die Corona-Impfung stecken. Der Wert der Follower auf den Plattformen soll eine Milliarde Dollar betragen. Möglicherweise deshalb wird Facebook spät aktiv und beginnt, Meldungen zu löschen. „Wir müssen die Wahrheit auf die Straße bringen“, sagt in Deutschland die Homöopathin Carola Javid-Kistel. Sie ist auf mehr als 100 Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen aufgetreten.  Die Ärztin behauptet: „Diese Pandemie wurde künstlich in die Welt gesetzt, um uns unserer Rechte zu berauben.“

Und auch das ist zu hören: „Es ist ein Wahnsinn, es werden Menschen zu Tode geimpft vor unseren Augen.“ In einem YouTube-Clip inszeniert sie eine Patientin und ein Mädchen, das angeblich vor ihren Augen an der Impfung stirbt. Das Kurz-Video ist inzwischen gelöscht. Die Angst bleibt. Und sie wird vorsätzlich genährt. Andrew Wakefield tingelt durch Europa und erzählt von Mikro-Chips, die Kindern eingepflanzt werden.

Nichts geht so einfach wie Panik

Ein einfacher Taschenspieler-Trick der Argumentation wird helfen, die Panikmache noch auszubauen. Werfen wir einen Blick in die nahe Zukunft der Impfgegnerschaft. Wann immer irgendein Mensch an irgendeiner Krankheit leidet – frag‘ ihn, ob er gegen Corona geimpft wurde. Die Allermeisten werden bald diese Frage mit einem Ja beantworten. Und schon lässt sich über einen Zusammenhang spekulieren. Der Boden für die nächste Impf-Legende ist bereitet.





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