Politics

Frankfurter Kulturszene: Ina Hartwig im Interview


Frau Hartwig, Sie sind eine der wenigen Dezernenten der neuen Koalition, die weitermachen. Woran wollen Sie anknüpfen?

Mein Augenmerk liegt insbesondere auf der Bewältigung der Corona-Krise und ihren dramatischen, noch nicht vollständig absehbaren Folgen für die Frankfurter Kultur. Darüber hinaus habe ich in meiner ersten Amtszeit drei neue große Konzeptionen entwickelt. Eine davon betrifft das Drei-Säulen-Konzept für den Zoo, mit der Weiterentwicklung des Zooareals, mit dem Kinder- und Jugendtheater und mit dem Frankfurt Conservation Center. Außerdem haben wir den eingerosteten Prozess des Kulturcampus Bockenheim wieder ins Rollen gebracht. Da sind wir ein entscheidendes Stück vorangekommen. Das allergrößte Projekt, das ich geerbt habe, umfasst aber die Zukunft der Städtischen Bühnen. Ich bin zufrieden und auch ein bisschen stolz, bei diesem überaus komplexen Thema so weit gekommen zu sein. Inzwischen haben wir einen Konsens in der Politik, dass die Bühnen in die Innenstadt gehören. Das ist in den vergangenen Jahren nicht so gewesen. Darüber bin ich froh, auch, dass unser ehemaliger Koalitionspartner CDU jetzt erwägt, diesen Weg mitzugehen.

Ihnen ist oft vorgeworfen worden, es dauere zu lang, bis aus dem Kulturdezernat eine Entscheidung komme. Was entgegnen Sie?

Politische Prozesse – insbesondere wenn sie bedeutende, zukunftsweisende Themen betreffen – können langwierig sein. Das liegt im Wesen der Demokratie: Man muss für jeden Schritt eine Mehrheit organisieren, mit Menschen diskutieren, sie abholen und mitnehmen. Im Übrigen bekommen wir aber auch oft zu hören, es werde zu schnell entschieden.

In der Kultur gibt es extrem viele Baustellen. Vielleicht fangen wir mit den realen Baustellen an. Sie haben vor Kurzem mögliche Standorte eines Neubaus der Städtischen Bühnen vorgestellt.

Dieser Bericht arbeitet einen Auftrag der Stadtverordnetenversammlung aus der letzten Wahlperiode ab. Verschiedene Grundstücke sind daraufhin geprüft worden, ob die Städtischen Bühnen dort abbildbar sind. Alle Varianten haben Vor- und Nachteile. Die Kulturmeile ist besonders reizvoll, denn dann wäre die Wallanlage nicht unterbrochen, es könnte sogar Grün hinzugewonnen werden. Und wir hätten den Vorteil, dass wir das Opern-Interim einsparen könnten, das besonders komplex und teuer wäre. Die Frage des Grundstücks steht als Nächstes an. Es gilt ein Modell zu entwickeln und zu verhandeln, das sowohl für den Eigentümer als auch für die Stadt nachhaltig sinnvoll ist, und auch, ob die zeitlichen Abläufe passen. Dieser Auftrag ist dem Magistrat bisher nicht erteilt worden. Ich sehe dies als nächsten Schritt an.

Nun haben Sie eine politisch anders ausgerichtete Koalition, die besonders die freie Szene schätzt. Stehen die Städtischen Bühnen per se in Frage?



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