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Hüseyin Ersoy findet beim Entrümpeln einer Wohnung hohe Summe Geld



Hüseyin Ersoy findet sechsstellige Summe Geld
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Die unglaubliche Geschichte einer Entrümpelung

Hüseyin Ersoy findet in der Wohnung eines Verstorbenen in Monheim eine Tasche voller 200- und 500-Euro-Scheine. Er könnte sich damit seinen Traum von einem Eigenheim in der Türkei erfüllen, doch er hat andere Pläne mit dem Geld.

Hüseyin Ersoy hat einen großen Wunsch. Auf einem Grundstück in Sinop, seinem Heimatort an der türkischen Nordküste, möchte er sein Traumhaus bauen. Das Haus soll eine Fensterfront mit Blick auf das Meer haben. Noch fehlt ihm das Geld dafür. Aber im Jahr 2020 hatte Ersoy einen Betrag in der Hand, mit dem er sich gleich mehrere Häuser seiner Träume hätte leisten können, wie der Familienvater erzählt.

Ersoy lebt seit 1998 in Deutschland, zunächst in Düsseldorf, mittlerweile mit seiner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern in Monheim. Er führt ein Entrümpelungsunternehmen. Wenn Haushalte aufgelöst oder Keller, Werkstätten und Dachböden ausgeräumt werden sollen, dann ist er zur Stelle. „Es gibt Häuser, aus denen habe ich schon drei oder vier Tonnen Müll entsorgt“, sagt der 45-Jährige.

Im Frühling 2020 erhält er einen Auftrag, der ihn heute eine beinahe unglaubliche Geschichte erzählen lässt. „Ich sollte eine Wohnung in Monheim entrümpeln“, so Ersoy. Die Tochter eines verstorbenen Witwers, der in einem Mehrfamilienhaus gelebt hatte, fordert sein Unternehmen an. Und so räumt Ersoy das Mobiliar aus der Wohnung. Er bringt alles in ein Lager, in dem er die Entsorgungsgegenstände nach jedem Auftrag sortiert. „Den privaten Keller der Wohnung habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, weil ich dachte, dort sei die Arbeit schnell erledigt“, erzählt er.

In dem Keller habe sich ein Schrank befunden, dessen Inhalt aus mehreren Kartons bestand. „Ich habe die Kartons nacheinander geöffnet, weil ich immer überlege, was ich wegwerfe und was ich beispielsweise auf Flohmärkten verkaufen kann“, erklärt der Monheimer. Im dritten Karton entdeckt er eine Textiltasche, die auf den ersten Blick mit Papier gefüllt zu sein schien. „Fast hätte ich alles einfach auf den Altpapier-Stapel geworfen“, sagt Ersoy. Doch er habe die Tasche geöffnet, und zum Vorschein seien sehr viele Euro-Scheine gekommen – hauptsächlich Fünfhunderter, aber auch viele 200-Euro-Scheine. „Ich habe natürlich als Erstes an Spielgeld gedacht“, sagt Ersoy. Aber nachdem er die Banknoten prüfend gegen das Licht hält, setzt starkes Herzklopfen ein. Das Geld wirkt echt.

Hüseyin Ersoy nimmt die Euro-Scheine mit nach Hause. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Saziye zählt er nach. Sie kommen auf einen Betrag von 557.000 Euro – und zusätzlich etwa 2700 Schweizer Franken. Ersoy denkt kurz an das Grundstück in der Türkei. Er denkt daran, dass er sich mit diesem Geld seinen Traum erfüllen kann. „Aber ich wäre in dem Haus nicht glücklich gewesen“, sagt er. „Das Geld gehörte nicht mir.“

Ersoy ist gläubiger Muslim. Jeden Freitag geht er zum Gebet der türkischen Gemeinde in Monheim. Im Islam gilt Diebstahl als große Sünde. „Mir war klar, dass wir das Geld zurückgeben müssen“, sagt er. Er erzählt seinen Söhnen (22 und 15 Jahre alt) sowie seiner 19-jährigen Tochter von dem Fund und ist stolz: „Auch sie haben sofort gesagt, dass das Geld der Tochter des verstorbenen Mannes gehört.“ Die Familie vereinbart ein Treffen mit der Erbin. In einer Tasche überreichen sie ihr die Banknoten, wie Ersoy erzählt. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, die Geschichte von Hüseyin Ersoy. Woher das Geld stammt und warum ihr Vater dieses im Keller aufbewahrt habe, wisse sie nicht. Eine Annahme sei, dass ihre Eltern das Geld von den Großeltern mütterlicherseits geerbt haben könnten. Eine andere geht auf ein Konto in Luxemburg zurück. „Mein Vater hat dieses Konto vor langer Zeit aufgelöst“, sagt sie. Wegen der Verjährungsfrist hätten ihre Recherchen dazu nichts ergeben. Aber bei einem Konto in Luxemburg denke man natürlich schnell an Steuerhinterziehung, die in dem Fall ebenfalls verjährt wäre, so die Erbin. Vielleicht habe es Steuerhinterziehung gegeben. Vielleicht habe ihr Vater aus Angst vor einer Strafverfolgung das Geld im Keller versteckt. Aber auch das sei lediglich eine Mutmaßung. „Meine Eltern haben die Herkunft des Geldes mit ins Grab genommen“, sagt sie.

Als sie von den Ersoys von den 557.000 Euro erfuhr, habe sie das im ersten Moment nicht glauben können. „Und auch danach habe ich ein paar Nächte nicht gut geschlafen“, sagt sie. Sie habe ihren Steuerberater informiert und bis heute nur sehr wenigen Bekannten von dem Erbe erzählt. Von dem Ursprungsbetrag habe sie mittlerweile einen ordentlichen Anteil an das Finanzamt abführen müssen. „Aber das ist auch völlig in Ordnung“, sagt sie. Sie wolle das Geld sinnvoll anlegen, sich keine teuren Luxusgüter leisten.

Hüseyin Ersoy hält den Fund des Geldes bis heute für eine religiöse Prüfung. „Gott wollte sehen, welchen Weg ich gehe“, ist er sicher. „Ich habe ein reines Gewissen.“ Von der Besitzerin des Geldes habe er einen großzügigen Finderlohn erhalten.



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