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„In unserer Gesellschaft fehlt das Mitgefühl füreinander“ – B.Z. Berlin


Sie lieben, leben und arbeiten gemeinsam. Gerade haben Mia Maariel Meyer (40) und Hanno Koffler (42) ihren zweiten gemeinsamen Film fertiggestellt. B.Z. schaltete sich mit ihnen zum Gespräch zusammen.

In dem Film spielt Koffler unter der Regie seiner Verlobten Mia Maariel einen Fliesenleger, der infolge der Gentrifizierung mit seiner Familie aus der Großstadt in ein renovierungsbedürftiges Haus am Stadtrand ziehen muss. Ihn plagen Geldsorgen und seine 13-jährige Tochter ist unglücklich.

Der gebürtige Berliner Koffler ist selbst Vater von zwei Töchtern. Die ältere lebt in den USA, die jüngere schenkte ihm Mia Maariel Meyer. Zu dritt lebt die kleine Familie mitten in Berlin, doch momentan halten sie sich in Marseille auf. Kein Urlaub, sondern für ihr nächstes gemeinsames Projekt. 

Rainer und seine Tochter Doreen (Dora Zygouri) lassen im Wald ihre Wut raus (Foto: kurhaus production)
Rainer und seine Tochter Doreen (Dora Zygouri) lassen im Wald ihre Wut raus (Foto: kurhaus manufacturing)

B.Z.: Was struggle die Intention, diesen Film machen zu wollen?

Mia Maariel Meyer: Wir haben reflektiert, was uns umgibt. Der Leistungsdruck, der in unserer Gesellschaft immer größer wird. Ursprünglich wollten wir einen Film darüber machen, wie sich Gewalt in einer heilen Familie entwickelt, aber nach und nach wurde uns klar, dass das eigentliche Thema Leistungsdruck ist, aus dem heraus die Gewalt entsteht.

Spüren Sie diesen Leistungsdruck in unserer Gesellschaft auch selbst?

MMM: Ja, schon sehr früh habe ich als Kind das Gefühl gehabt, den Druck, der auf meinen Eltern lastete, mitzutragen. Das Gefühl, funktionieren zu müssen, hat mich stark geprägt. Heute versuche ich, es anders zu machen, aber natürlich gelingt es auch mir nicht immer, meine Familie und vor allem mein Kind vor meinem Druck zu schützen. Auf Kindern lastet generell zu viel, was ja ein zentrales Thema des Filmes ist.

Hanno Koffler: Egal in welcher Branche, man spürt steigenden, existenziellen Druck. Uns struggle es wichtig einen Film über Menschen zu machen, die augenscheinlich alles richtig machen, hart arbeiten, alles geben für ihren Traum und trotzdem immer von der Angst begleitet werden, abstürzen zu können. Auch wenn ich als arbeitender Schauspieler in einer privilegierten Situation bin, kenne ich diese Angst sehr intestine.


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Obwohl Sie doch seit Jahren ein erfolgreicher Schauspieler sind?

HK: Aber es gab natürlich auch Phasen, in denen es nicht so intestine lief, in denen ich auf Angebote warten musste und einfach nichts kam. Außerdem weiß man nie, wie lange es intestine läuft, da gibt es keine Sicherheiten. Vielleicht sind diese Ängste in mir auch deshalb so präsent, weil ich als Kind miterleben musste, wie mein Vater mit vier Kindern nach der Wende beruflich abgestürzt ist.

Was struggle er von Beruf?

HK: Er struggle Rechtsanwalt, hatte sich selbstständig gemacht, gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und auch wenn er sich wirklich bemühte und sich abstrampelte, reichte es nicht aus. Vom erfolgreichen Rechtsanwalt zum Sozialhilfeempfänger. Das hat uns Kinder sehr geprägt. Insofern ist „Die Saat“ auch ein sehr persönlicher Film für mich.

Rainer (Hanno Koffler) probt in seiner Firma den Aufstand gegen schlechte Arbeitsbedingungen und verliert deshalb seinen Job (Foto: kurhaus production)
Rainer (Hanno Koffler) probt in seiner Firma den Aufstand gegen schlechte Arbeitsbedingungen und verliert deshalb seinen Job (Foto: kurhaus manufacturing)

Im Film geht es auch um Gentrifizierung in der Großstadt. Sie leben in Berlin. Wie sehr sind Sie mit dieser Problematik tatsächlich konfrontiert?

MMM: Gentrifizierung ist eines von vielen Themen, das zum Leistungsdruck dazugehört. Schlussendlich ist „Die Saat“ auch ein Film über Empathie, denn diese, so glaube ich, geht immer mehr in unserer Gesellschaft verloren. Das Mitgefühl füreinander fehlt.

HK: Ja, uns ging es auch um die Frage, ob man es in unserer kapitalistischen Wettbewerbsgesellschaft überhaupt schaffen kann, ein guter Mensch zu bleiben. Ein guter Mensch zu sein, wäre eigentlich ein sehr erstrebenswertes Ziel, was wir in erster Linie an unsere Kinder weitergeben sollten.

Im Film haben Sie eine 13-jährige Tochter. Konnten Sie Ihre Erfahrung als Vater einbringen?

HK: Klar, ich bin Vater von zwei Töchtern. Natürlich fließt das mit ein. Als Mia und ich das Drehbuch geschrieben haben, ist unsere Doreen über die Jahre mit meiner ersten Tochter mitgealtert. Im ersten Drehbuchentwurf struggle sie noch acht. Ich glaube, dass wir dadurch auch einen ganz guten Zugang zu der Sprache und den Konflikten dieser Generation hatten. Mia hat das dann auch ganz großartig inszeniert.

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Mal ehrlich, träumen Sie eigentlich noch vom Eigenheim?

HK: Klar, das Lebenskonzept Haus mit Garten können wir, vor allem mit Kind, sehr intestine nachvollziehen. Allerdings ist es in Berlin bekanntlich schwierig bis unmöglich geworden, diesen Traum umzusetzen.

„Die Saat“ ist nach „Treppe aufwärts“ Ihr zweiter gemeinsamer Film. So etwas klappt nicht bei jedem Künstlerpaar!

HK: Wer sagt denn, es hat intestine funktioniert (lacht). Natürlich gibt es auch die hart erkämpften Resultate, doch ich kann nur sagen, dass ich Mia als Künstlerin, als Regisseurin sehr bewundere und respektiere.

MMM: Hanno ist ein sehr guter Schauspieler und ich glaube, wir haben bisher noch nicht mal zehn Prozent von dem gesehen, was in ihm steckt.





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