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Inflation und Fed-Entscheidung: Wie Amerikaner sich einschränken


Stand: 05.05.2022 02:10 Uhr

Die Zins-Entscheidung der Fed hat Auswirkungen auf den Euro-Kurs, die Schwellenländer und die Weltwirtschaft. Aber sie hat vor allem innenpolitische Gründe. Die Inflation zwingt Amerikas Konsumenten sich einzuschränken.

Von Nina Barth, ARD-Studio Washington

Monica kommt mit zwei vollen Einkaufswagen aus dem großen Supermarkt – die Lebensmittel für sie und ihre Kinder für die kommenden Tage. Die hohen Preise machen ihr Sorgen. Ich hab viel ausgegeben für das ganze Zeug, wahrscheinlich 100 Dollar mehr als früher, sagt sie.

Tatsächlich ist die Inflationsrate in den USA im März auf den höchsten Stand seit über 40 Jahren gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Viele Amerikaner überlegen sich jetzt genau, wofür sie Geld ausgeben. Auch Sherry. Sie ist gerade auf dem Weg in den Einkaufsmarkt, sagt, die Preise für Milch sind eine Frechheit – von zwei auf vier Dollar gestiegen. Jetzt gibt es bei ihr und ihrem Mann eben weniger Milch.

Flugtickets werden immer teurer

Die hohen Preise haben nicht nur Sherrys Einkaufsverhalten verändert. Sie erzählt, dass ihre Familie über ganz Amerika verteilt lebt, dass die Flugtickets inzwischen aber quick doppelt so teuer geworden sind. Für Sherry heißt das, ihre Familie kann sie jetzt nicht mehr so oft besuchen. Die Inflation zwingt viele Amerikanerinnen und Amerikaner, sich einzuschränken – in vielen Bereichen.

Angesichts der rasant steigenden Preise hat die US-Notenbank den Leitzins jetzt um einen halben Prozentpunkt angehoben – der größte Zinssprung seit 22 Jahren. Die Zinsspanne liegt jetzt bei 0,75 bis 1 Prozent. Für Jacob Kirkegaard vom Washingtoner Peterson Institute for International Economics ist die starke Erhöhung des Leitzinses ein wichtiger Schritt:

Ich finde, es ist die richtige Entscheidung. Denn anders als Europa haben die USA ein echtes Inflationsproblem, und zwar wegen des überhitzten Arbeitsmarktes. Das heißt, die Inflation geht weiter, es sei denn, die Fed erhöht den Leitzins und – um ehrlich zu sein – löst eine Rezession aus.

Vor allem innenpolitische Gründe

Klar ist, die Zins-Entscheidung hat Auswirkungen auf den Euro-Kurs, die Schwellenländer und auch auf die Weltwirtschaft. Aber die Gründe sind eben vor allem innenpolitische. Die hohe Inflation belastet Amerikaner und Amerikanerinnen wie Monica, Sherry – oder auch Klarinette. Sie hat gerade nur das Nötigste eingekauft, erklärt sie. Das, was sie und ihre Familie brauchen. Größere Anschaffungen? Keine Chance.

Klarinette ist sauer, auch auf die Regierung. Und sie ist nicht die einzige. Tatsächlich ist die hohe Inflation ein Riesenproblem für US-Präsident Joe Biden, gerade mit Blick auf die Kongress-Zwischenwahlen im November. Jacob Kirkegaard vom Washingtoner Peterson Institute schätzt die Situation so ein: 

Die Tatsache, dass Amerika nicht mehr glaubt, dass Joe Biden die Wirtschaft im Griff hat, ist sein größtes Problem. Das heißt, wenn Wirtschaftsfragen bei den ‘Midterms’ für die Leute das Entscheidende sind, dann werden Joe Biden und die Demokraten verlieren – und zwar deutlich.

Joe Biden wird nun hoffen, dass die Entscheidung der Notenbank bald Wirkung zeigt. Mit weiteren Zinsanhebungen in diesem Jahr ist zu rechnen.



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