Politics

Mit Entsetzen sehen wir, dass immer mehr Täter psychisch krank sind


Von Gunnar Schupelius

Wo verläuft die Grenze zwischen religiöser oder politischer Radikalisierung und der Wahnvorstellung einer paranoiden Schizophrenie? Wie werden potenzielle Täter erkannt und kontrolliert? Diese Fragen bedürfen einer Antwort, meint Gunnar Schupelius

Die Amokfahrt vom 8. Juni gerät schnell in Vergessenheit. Vertrocknete Blumen an der Tauentzienstraße erinnern an die Opfer, die allein mit ihrem Schicksal fertigwerden müssen.

Am Mittwochmorgen war der aus Armenien stammende Gor  H.  (29) mit seinem Renault Clio absichtlich auf den Gehweg gerast. Er tötete eine 51-jährige Lehrerin und verletzte 14 Schüler zum Teil schwer und noch 17 weitere Passanten.

Ihm wurde in einem Schnellgutachten paranoide Schizophrenie attestiert und man brachte ihn in die Psychiatrie. Weitere Gutachten müssen klären, ob er tatsächlich schuldunfähig ist.

Gor H. (29) ist nicht der einzige psychisch kranke Täter. Der Afghane Abdul Malik A. (30) ist es auch, der in Wilmersdorf am 4. September 2021 im blauen Kaftan die Hobbygärtnerin Regina R. köpfen wollte.

Und in den vergangenen Tagen mehrten sich die Nachrichten von solchen Gewaltverbrechen: Am 13. Mai stach ein 31-jähriger Iraker in einem Zug bei Aachen fünf Menschen nieder.

In München schubste am 9. Juni ein 26-jähriger Somalier eine Passantin auf die S-Bahn-Gleise. Am 10. Juni erstach der Student Markus R. in einem Hörsaal in Hamm eine Studentin und verletzte eine weitere schwer. Ebenfalls am 10. Juni stach ein 24-jähriger Mann mit niederländischem Pass in einem Hort in Esslingen auf ein sieben Jahre altes Mädchen und seine Betreuerin ein.

Die Täter von Aachen, München und Hamm wurden in die Psychiatrie eingewiesen, dort wird wahrscheinlich auch der Messerstecher aus Esslingen landen.

Wenn dem so ist und wenn die Täter zunehmend als psychisch krank eingestuft werden, stellt sich die Frage, was getan werden kann, um die Öffentlichkeit vor ihnen zu schützen. Die psychiatrischen Gutachten werden sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Doch bleiben Fragen offen.

Die Grenzen zwischen einer politischen oder religiösen Radikalisierung und den Wahnvorstellungen einer paranoiden Schizophrenie können fließend sein.

Abdul Malik A. (30) ging ganz friedlich mit dem Koran umher, um seine Nachbarn zu bekehren, bevor er auf Regina H. einstach. Der Messerstecher aus dem Zug bei Aachen wurde 2017 von der Polizei als Islamist eingestuft, dann aber schließlich als unpolitisch eingeordnet.

Ähnlich verhielt es sich mit dem 27-jährigen Syrer, der am 6. November 2021 auf Fahrgäste in einem ICE in Bayern einstach. Er wurde für psychisch krank und schuldunfähig erklärt. Gleichwohl fanden die Ermittler Propagandamaterial der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ in seinem Besitz.

Wie werden die Menschen erkannt, die sich radikalisieren oder an einer gefährlichen Psychose leiden? Wie werden sie beobachtet oder kontrolliert? Wann verlassen sie die Psychiatrie wieder und sind sie dann geheilt?

Welche Konzepte gibt es und welche muss es noch geben? Diese Fragen bedürfen einer Antwort.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de



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