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Omikron-Variante: “Sehe einen Lockdown auf uns zukommen”


Stand: 20.12.2021 05:03 Uhr

Angesichts der Omikron-Variante halten Experten und Politiker einen erneuten Lockdown in Deutschland für nötig. Krankenhäuser warnen erneut vor einer Überlastung. Denn die Fallzahlen könnten schnell steigen.

Die Omikron-Variante verbreitet sich bisher in Deutschland langsamer als in anderen Ländern wie Großbritannien. Das wird sich jedoch schnell ändern, glauben Experten wie der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Er rechnet damit, dass sich auch viele geimpfte Menschen mit Omikron anstecken könnten.

“Wir werden die bei Omikron hochschießenden Inzidenzen sehr stark runterbringen müssen und das wird uns nicht jetzt wie in dieser vierten Welle mit Booster-Impfungen gelingen, sondern dann nur wieder mit Abstand und Kontaktbeschränkungen”, sagte Watzl der “Augsburger Allgemeinen”. “Ich sehe leider einen Lockdown auf uns zukommen, der uns alle betreffen wird.”

Auch der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hatte am Sonntag die rasche Einführung neuer Kontaktbeschränkungen empfohlen. Handlungsbedarf besteht den Experten zufolge “bereits für die kommenden Tage”.

Dahmen für Lockdown nach den Feiertagen

Am Dienstag beraten Bund und Länder über weitere Einschränkungen. Für die Weihnachtsfeiertage soll es diese jedoch offenbar noch nicht geben.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen brachte einen Lockdown nach den Feiertagen ins Spiel: “Angesichts der äußerst hohen Übertragbarkeit von Omikron werden wir um einen Lockdown nach Weihnachten vermutlich nicht herumkommen. Ein mögliches Szenario wäre ein gut geplanter Lockdown Anfang Januar”, sagte er.

Im Bericht aus Berlin hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach einen Corona-Lockdown vor Weihnachten ausgeschlossen. “Nein, einen Lockdown – so wie in den Niederlanden, vor Weihnachten – den werden wir hier nicht haben”, sagte der SPD-Politiker.

Sorge vor “weiterer Eskalation der Situation”

Vor allem die Lage in den Krankenhäusern könnte durch Omikron zu einem Problem werden. Darauf weist auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hin. “Diese fünfte Welle würde uns nach den Berechnungen der Wissenschaftler treffen, noch bevor die aktuell hohe Belegung auf den Intensivstationen deutlich gesunken ist. Wir sehen in Großbritannien und Dänemark, dass durch die hohen Infektionszahlen auch deutlich mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen coronabedingt ausfallen. Noch mehr schwerkranke Patienten und zeitgleich massive Personalausfälle wäre eine weitere Eskalation der Situation, die über das bisherige hinausgeht”, sagte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß der Zeitung “Rheinische Post”.

Mit Blick auf die Lage in den Krankenhäusern sagte Immunologe Watzl: “Selbst, wenn die Impfung das Erkrankungsrisiko um 80 Prozent oder 90 Prozent reduziere, bleibe immer noch ein hohes Restrisiko, dass auch ein Teil der Geimpften im Krankenhaus lande. Deshalb werde mit einer drohenden schnell anwachsenden Omikron-Welle und einem starken Anstieg der Infizierten-Zahlen zwangsläufig auch die Krankenhausbelastung hochgehen. “Das gilt selbst dann, wenn die Omikron-Variante zu weniger schweren Verläufen führen sollte, denn wir werden einfach insgesamt viel mehr Fälle bekommen”, sagte Watzl. Er sei allerdings skeptisch, dass Omikron wirklich harmloser sei, “darauf sollte man sich nicht verlassen”.

RKI: Inzidenz steigt leicht

Laut Robert Koch-Institut ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen heute wieder leicht gestiegen. Demnach liegt der Wert aktuell bei 316. Am Vortag hatte er noch bei 315,4 gelegen, vor einer Woche bei 402,9. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an. Von Anfang November an war der Wert rasant angestiegen. In der Folge wurden täglich neue Höchststände registriert. Anfang Dezember sank die Zahl dann wieder.

Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 16.086 Neuinfektionen verzeichnet. Die Gesamtzahl der Corona-Todesfälle in Deutschland stieg um 119 auf 108.352.



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