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Polizei geht gegen Al-Zein-Clan in NRW vor



Großeinsatz der Polizei
:
Riesen-Razzia gegen Al-Zein-Clan in NRW

Mehr als 100 Ermittler durchsuchen seit Mittwochmorgen Räumlichkeiten in mehreren NRW-Städten. Die Ermittlungen richten sich gegen Clan-Mitglieder, denen unter anderem Geldwäsche und Betrug bei Corona-Soforthilfe im großen Stil vorgeworfen wird.

Im Morgengrauen schlagen die Ermittler zu. Seit dem frühen Mittwoch durchsuchen mehr als 100 Ermittler insgesamt 14 Objekte in Solingen, Leichlingen, Wuppertal und Unna. Hintergrund der Großrazzia sind Ermittlungen gegen kriminelle Clans – unter anderem wegen des Verdachts der Geldwäsche. Am Einsatz beteiligt sind Polizei, Finanzverwaltung und Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen richten sich vornehmlich gegen fünf Beschuldigte, allesamt Mitglieder einer Großfamilie. Nach Informationen unserer Redaktion aus Sicherheitskreisen sollen es Angehörige des Al-Zein-Clans oder Personen mit Bezug zu den Al-Zeins sein. Zudem wird laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf auch gegen einen Rechtsanwalt ermittelt. „Er steht im Verdacht, sich an den Geldwäschetaten beteiligt zu haben, indem er Konten zur Verfügung stellte, Zahlungen weiterleitete und als Geschäftsführer von Firmen fungierte“, so die Staatsanwaltschaft.

Gegen die Beschuldigten des Clans besteht laut Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt der Verdacht, dass durch kriminelle Geschäfte (unter anderem illegales Wasserpfeifentabakgeschäft) ein Millionenbetrag erlangt worden ist und dieser unter Einbindung von Familienmitgliedern, Bekannten und/oder verbundenen Unternehmen in den legalen Geldkreislauf überführt und weitergeleitet wurde – sprich Geldwäsche.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) zeigte sich entsetzt angesichts des Ausmaßes der vorgeworfenen Taten: „Da werden Millionen durch kriminelle Geschäfte erlangt und von Familienmitgliedern und Bekannten gewaschen. Da kommen plötzlich größere Geldeingänge aus dem Mittleren Osten, man verteilt das Geld auf unterschiedliche Konten mit dem Ziel, die Spur des Geldes zu verwischen“, so Biesenbach. „Auch staatliche Hilfen wie Corona-Soforthilfen werden schamlos zu Unrecht in Anspruch genommen. Die mutmaßlichen Täter schrecken vor nichts zurück.“

Nach den bisherigen Ermittlungen besteht in dem Fall der Verdacht, dass inkriminierte Gelder unter anderem in Form von Bareinzahlungen auf die Konten der Beschuldigten oder ihnen nahestehenden Unternehmen erfolgten. Von dort erfolgten laut Staatsanwaltschaft Zahlungen auf weitere Konten, „die beispielsweise fälschlicherweise als Darlehen deklariert wurden“, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

In anderen Fällen sollen Zahlungen im sechsstelligen Bereich aus der Region des Mittleren Ostens erfolgt sein. Diese Gelder seien dann ohne nachvollziehbaren Grund auf verschiedene Konten verteilt und wieder weiterverteilt oder für die Gründung vermeintlicher Immobiliengesellschaften aufgewandt worden. „Wobei zu vermuten ist, dass entsprechende Immobiliengeschäfte nicht existierten oder nur zur Verschleierung der tatsächlich kriminell erlangten Gelder erfolgten“, so die Staatsanwaltschaft.

Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass die Zwangsvollstreckung von Forderungen der öffentlichen Hand vereitelt wurde. Die staatlichen Forderungen, die teilweise über viele Jahre nicht beglichen wurden, belaufen sich demnach auf mehr als eine Million Euro. Die Beschuldigten sind laut Staatsanwaltschaft jedoch gleichzeitig Eigentümer diverser Immobilien. „Entsprechende Mieteinnahmen in nicht unerheblicher Höhe wurden deshalb gezielt auf Konten anderer Familienmitglieder umgeleitet, um einen Zugriff durch den Fiskus zu verhindern“, so die Ermittler.

Sie werden zudem verdächtigt, Immobiliendarlehen durch Einreichung von gefälschten Unterlagen betrügerisch erlangt zu haben, Leistungen der NRW-Soforthilfe 2020 (die sogenannte Corona-Soforthilfe) betrügerisch bekommen zu haben und im Zuge der Vermögensauskunft im Zwangsvollstreckungsverfahren die Existenz von Bankkonten und Immobilieneigentum verschwiegen zu haben.

Biesenbach lobte den Einsatz. „Mit Schlägen wie heute treffen wir die mutmaßlichen Clans an der richtigen Stelle: am Geld. Wir stellen immer wieder fest: Bei Clankriminalität geht es um nicht weniger als Millionenbeträge. Und um eine ganz bestimmte Haltung: Man versucht, sich den üblichen Rechtsstaatsmechanismen, der staatlichen Autorität, zu entziehen, und sagt ganz offen, ‚Ich mache, was ich will! Für mich gelten Eure Regeln nicht!‘ Unsere Antwort darauf ist klar: wir schlagen mit allen Mitteln des Rechtsstaats zurück.“



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