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Tausende Passagiere gestrandet: Lufthansa-Streik sorgt für Chaos


Stand: 27.07.2022 17:39 Uhr

Der Streik des Lufthansa-Bodenpersonals hat den deutschen Flugverkehr teils lahmgelegt. Mitten in den Ferien bangen Tausende gestrandete Kunden um Ersatzflüge. Die Gewerkschaft ver.di hofft, den Tarifstreit kommende Woche beilegen zu können.

Mitten in der Ferienzeit hat die Gewerkschaft ver.di mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugverkehr der Lufthansa lahmgelegt. Nach der Absage von mehr als 1000 Flügen ging an den Drehkreuzen Frankfurt und München fast nichts mehr, rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern.

Während sich laut ver.di rund 5000 Beschäftigte an den Aktionen beteiligten und für höhere Gehälter demonstrierten, bangten in den Terminals zahlreiche Passagiere um ihre Möglichkeiten zum Weiterflug. In Frankfurt bildeten sich am Vormittag lange Schlangen meist ausländischer Passagiere vor den spärlich besetzten Umbuchungsschaltern.

Umbuchungen sind schwierig

Den Kunden seien je nach Flugziel unterschiedliche Lösungen angeboten worden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Man habe extra Personal für diese Aufgabe eingeplant, die damit bewältigbar geblieben sei.

Grundsätzlich können Passagiere auf spätere Lufthansa-Flüge oder andere Gesellschaften umgebucht werden, wobei jedoch die freien Plätze meist knapp waren. In Einzelfällen könne es auch sein, dass die Menschen mehrere Tage auf ihre Weiterreise warten müssten, erklärte ein Lufthansa-Sprecher.

Einigung könnte nächste Woche kommen

Ver.di und Lufthansa warfen sich gegenseitig vor, für die Lage verantwortlich zu sein. Das Unternehmen habe bewusst darauf verzichtet, nach der Warnstreikankündigung noch einmal zu verhandeln, sagte ver.di-Streikleiter Marvin Reschinsky. Er hoffe nun auf ein schnelles, gutes Ergebnis.

“Wir erwarten ganz klar, dass Lufthansa in der nächsten Woche nachlegt, damit der Luftverkehr wieder läuft”, so Reschinsky. Ein hoher Abschluss sei auch ein Entlastungssignal an das Bestandspersonal, wenn Lufthansa attraktivere Jobs für Neueinsteiger anbiete.

Personalvorstand Michael Niggemann erntete vor der Lufthansa-Verwaltung ein gellendes Pfeifkonzert, als er vor den protestierenden ver.di-Gewerkschaftern sagte: “Diesen Warnstreik halte ich für vollkommen unzumutbar.” Seine Respekt-Bekundungen für die Arbeit der Beschäftigten wurden teilweise mit höhnischem Gelächter beantwortet, die Stimmung war aufgeheizt.

Vorerst keine weiteren Streiks

Schon im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF hatte die ver.di-Verhandlungsführerin Christine Behle erklärt, dass es bis zum nächsten Verhandlungstermin am 3. August keinen weiteren Streik des Bodenpersonals geben werde: “Das kann ich ausschließen”.

Ein erstes Angebot hatte ver.di als zu niedrig abgelehnt. Die Gewerkschaft verlangt 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro. Die Parteien haben sich für die Gespräche zwei Tage Zeit eingeräumt, was allein schon auf einen gewissen Abschlusswillen deutet. 

Davon unabhängig läuft unter den Lufthansa-Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) eine Urabstimmung, die ab August unbefristete Streiks möglich machen würde. Der ver.di-Ausstand hatte am Morgen begonnen und soll bis Donnerstag, 6 Uhr, dauern. Lufthansa fürchtet Auswirkungen bis zum Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien in Bayern. Es gebe allerdings bereits am Donnerstag keine planmäßigen Flugstreichungen mehr, betonte Lufthansa.

Abfertigungschaos verschärft sich

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock kommt vor dem Hintergrund eines teilweise chaotisch verlaufenen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben schon ohne Streiks zu erheblichen Abfertigungsproblemen in diesem Sommer geführt. Ver.di macht dafür vor allem Missmanagement bei Flughäfen und Airlines verantwortlich.



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