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Tourismus in Thailand: Traumstrand erfindet sich neu


Stand: 26.12.2021 16:56 Uhr

Wegen der Pandemie verschwanden die Touristen aus Thailand. Die Natur, etwa die berühmte Maya Bay, konnte sich von Besucheranstürmen erholen. Nun will das Land aus früheren Fehlern lernen – mit Alternativen zum Massentourismus.

Von Hanna Echle, ARD-Studio Singapur

Eine abgelegene Bucht mit blendend weißem Sandstrand und kristallklarem Wasser, eingebettet in meterhohe, bewachsene Felsformationen: Der 250 Meter lange Strandabschnitt Maya Bay auf der thailändischen Insel Phi Phi Le ist ein Sehnsuchtsort für viele Reisende.

Bekannt wurde Maya Bay vor gut 20 Jahren durch den Hollywood-Film “The Beach” mit Leonardo DiCaprio. Im Film versuchten sich Aussteiger an einem Leben im Paradies weitab der Zivilisation – von paradiesischen Zuständen in unberührter Natur konnte man in Maya Bay nach Ausstrahlung des Filmes aber nicht mehr sprechen.

Motorboot-Fahrten im Minutentakt

Bis zu 6000 Touristen besuchten plötzlich täglich die sonst unbewohnte Insel, insgesamt drangen zwei Millionen Besucher im Jahr ins kleine Paradies ein. Sie wurden im Minutentakt mit Motorbooten zur Bucht gebracht und vertrieben die hier lebenden Haie. Achtlos ausgeworfene Anker beschädigten das Korallenriff.

“Innerhalb von zehn Jahren verschwanden 70 Prozent des Korallenbestands”, sagt Thon Thamrongnawasawat von der Kasetsart-Universität in Bangkok. Der Meeresbiologe warnte schon früh vor den Folgen des unkontrollierten Massentourismus für das fragile Ökosystem der Insel. Er sorgte dafür, dass Maya Bay bereits 2018 für Besucher geschlossen wurde. Sein Plan war auch schon damals eine umfassende Renaturierung der Bucht. Unklar war jedoch, wie lange eine Schließung wirtschaftlich zu vertreten gewesen wäre.

Lockdown als Chance für die Natur

Zu Beginn der Corona-Pandemie schloss Thailand dann die Grenzen für den Tourismus landesweit, und Maya Bay blieb für weitere zwei Jahre sich selbst überlassen. Damit konnte sich das Ökosystem dort insgesamt fast vier Jahre lang ungestört regenerieren. Die Verantwortlichen konnten derweil in Ruhe ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept für die Bucht entwickeln.

Um den Nationalpark langfristig zu schützen, wurden auf der Insel nun zahlreiche Regeln eingeführt, deren Nichteinhaltung mit Geldstrafen geahndet wird. So können sich nur noch 300 Interessierte am Tag für einen einstündigen Aufenthalt in der Maya Bay anmelden. Der Strand darf nicht mehr betreten werden, hölzerne Stege leiten die Besucher durch die Bucht. Auch Schnorcheln ist verboten, denn die hier lebenden und bedrohten Schwarzspitzenhaie pflanzen sich im seichten Wasser fort und bekommen jetzt ihren Lebensraum zurück.  

Auch Hotelanlagen der Region setzen auf nachhaltigen Tourismus und finanzieren Forschungsprojekte, deren Ziel die Wiederanpflanzung von Korallen und die Zucht von bedrohten Fischen ist. Sirithon Thamrongnawasawa ist für die Nachhaltigkeitskonzepte der lokalen Singha-Hotelgruppe zuständig – sie ist stolz auf das neue “Marine Discovery Centre” ihres Hotels. “Wir wollen den Touristen zeigen, dass ihr Handeln eine direkte Auswirkung auf das hiesige Ökosystem hat”, sagt Thamrongnawasawa. Dutzende Schwarzspitzenhaie und diverse Schildkrötenarten seien nun wieder in Maya Bay gesichtet worden. Auch die neu eingepflanzten Korallen entwickeln sich gut, wenn auch langsam. Es wird wohl noch 20 Jahre dauern, bis das Korallenriff wieder vollständig nachgewachsen ist.

Hoffnung auf die “guten Touristen”

Auch der Motorbootbesitzer Pailin Naowabutr versteht, dass Maya Bay geschützt werden muss, allerdings ist er auf jeden Besucher angewiesen. Vor sieben Jahren begann er, Touristen in die berühmte Bucht zu schippern. “Vor Covid habe ich 26 Euro pro Tag verdient, seitdem bekomme ich mit kleinen Jobs nicht mehr als ein Drittel”, sagt er. Nun hofft Naowabutr, dass die Geschäfte bald besser laufen. Insgesamt rund 50.000 Euro am Tag brachte Maya Bay vor der Schließung 2018 ein – es wird sich noch zeigen, ob unter den neuen Regeln an frühere Einnahmen angeknüpft werden kann.

Wenn die Corona-Variante Omikron nicht doch noch alle Pläne durchkreuzt, werden ab dem 1. Januar die ersten internationalen Touristen in Maya Bay erwartet. Dort fühlt man sich gut vorbereitet auf die neue Art von Tourismus. Sirithon Thamrongnawasawat sagt: “Wenn wir eines aus der Pandemie gelernt haben, dann, dass wir die Touristen brauchen. Wir müssen sie nur dabei unterstützen, gute Touristen zu sein.”



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