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TV-Kolumne „Hart aber fair“: Nuklearkrieg laut Expertin „sehr“ unwahrscheinlich


TV-Kolumne „Hart aber honest“: Militärexpertin ist sich sicher: „Die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Krieges ist sehr sehr gering“

Dienstag, 10.05.2022, 00:34

Claudia Major ist bei „Hart aber honest“ so etwas wie der Star des Abends. Die Berlinerin erklärt, wie uns Wladmir Putin „nuklear erpressen“ will, warum wir trotzdem nicht „in Panik verfallen“ sollten und dass es gar keinen roten Atomknopf gibt.

Militärexpertin Claudia Major räumt mit einer Legenden auf. „Es gibt keinen roten Knopf, auf den Wladimir Putin einfach drückt.“ Tatsächlich existiert in Russland wie auch in den USA das 3-Koffer-Prinzip. Demnach braucht es drei Männer, darunter den Präsidenten und den Generalstabschef, die sich einig sind. „Die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Krieges ist sehr sehr gering“, erklärt Mayor, die die Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin leitet.

Für ihre Einschätzung nennt Major drei Gründe. Erstens gebe es von Seiten Russlands „keine klare Eskalation“. Da würden etwa Putins atomare Drohungen kurz darauf wieder vom russischen Außenminister zurückgenommen. Zweites würde nur auf der politischen Ebene gedroht, aber zugleich weder „Waffen verlegt noch scharf gestellt“. Und drittens könne ein Atomschlag auf dem Kriegsfeld zwar kurzfristig Gewinne bringen, wären aber „langfristig mit sehr sehr hohen Kosten verbunden“. Das wisse auch Putin.

Atomare Drohung soll Bevölkerung destabilisieren

Militärexpertin Claudia Major ist so etwas wie die Hauptperson des Abends. Sie soll helfen, Putins Absichten zu verstehen. Putins Drohung mit den Atomwaffen solle dazu führen, dass in der Bevölkerung Angst entsteht, erklärt sie. Die Angst soll das Volk destabilisieren und auf die Handelnden derart öffentlichen Druck ausüben, dass diese nicht gegen Russland agierten. „Das nennt man nukleare Erpressung“, meint Major. „Wir müssen Putin ernst nehmen. Aber wird dürfen nicht in Panik verfallen. Sonst machen wir genau das, was Russland will.“

Bei der Parade hatte der russische Präsident zuletzt Interkontinental- und Kurzstreckenraketen auffahren lassen, die mit Atomsprengköpfen versehen werden können. Er möchte damit Stärke nach innen demonstrieren und Abschreckung nach außen, meint die Expertin. „Das ist nukleares Säbelrasseln.“ Tatsächlich habe der Ukrainekrieg bislang gezeigt, dass „nukleare Abschreckung immer noch funktioniert“.

Scholz will „Gesellschaft zusammen halten“

Mittlerweile lassen sich immer mehr Stimmen hören, die sich ein Russland ohne Putin wünschen. Von so einem Regimewechsel will der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth nichts wissen. Eine Rhetorik, die von einem Regimewechsel spreche, solle vermieden werden. Es gehe vielmehr darum, Russland so zu schwächen, dass es keine anderen Ländern mehr angreifen könne. „Und mit diesem Krieg hat sich Russlands bereits geschwächt“, konstatiert Roth. Die Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz, dass dieser zu sehr zögern würde, will Roth nicht gelten lassen. „Wir haben einen besonnenen Kanzler, der sehr viel Wert darauf legt, diese Gesellschaft zusammen zu halten“, meint Roth.

Scholz treffe „ganz sicher keine leichtfertigen Entscheidungen“ und sei „ganz sicher nicht zu forsch“. Er lasse sich auch nicht vorwerfen, dass die Politik nicht alles versucht habe, um diesen Krieg zu verhindern. „Wir haben über ganz lange Verhandlungen versucht, den Krieg zu verhindern.” Es liege nicht am Westen, dass Putin seine „Soldaten als Kanonenfutter“ verheizt. Man hätte auch Streichhölzer an die Ukraine liefern können und Putin würde behauptet, man habe eskaliert.

Ukraine braucht einen Zugang zum Meer

„Wenn wir als Europa nicht zur Ukraine stehen, wer will denn sonst mit uns in Zukunft zusammenarbeiten“, fragt CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter rhetorisch. Natürlich müsse man die Ukraine auch mit Waffen so unterstützen, dass das Land die seit Kriegsbeginn verloren Regionen zurückerobern könne. Dazu gehöre auch ein Zugang zum Meer, erklärt der Oberst a.D.. „Wir können es nicht zulassen, dass die Ukraine an Russland auch noch Steuern zahlen muss, wenn sie Getreide transportieren.“ Aus seiner Sicht sei es ein gutes Zeichen, dass Außenministerin Annalena Baerbock nach Kiew reise. „Wir stehen hinter der Ukraine. Es ist ein Land, das unsere Freiheit verteidigt.“

Die Ukraine sei ein sehr starkes Land, ist auch die Korrespondentin des Deutschlandradios Gesine Dornblüth vom Überlebenswillen des Landes überzeugt. Dornblüth arbeitete von 2012 bis 2017 in Moskau und meint, dass der Angriff Russlands in 2014 die Ukrainer zusammengeschweißt habe. „Es gibt vor allem viele junge Ukrainer, die sehr zu ihrem Land stehen.“

„Die Russen sind da und wollen bleiben“

„Ich halte es für wichtig, dass wir der Ukraine eine EU-Perspektive geben“, erklärt Michael Roth, der auch Mitglied im SPD-Präsidium ist. „Das macht den Menschen Mut.“ Zugleich spricht sich auch Roth für Waffenlieferungen in die Ukraine aus, um von den Russen erobertes Gebiet zurückzuerobern. Dass bedeute aber nicht, dass „wir einen Regimewechsel in Russland betreiben“. Darüber werde auch nicht in Washington oder in Berlin entschieden, ergänzt Roth. „Darüber entscheiden die Russen.“

CDU-Politiker Kiesewetter sorgt sich zudem um die weltweite Botschaft, die von dem Überfall auf die Ukraine ausgeht. Das Land hatte einseitig Waffen abgerüstet und wurde nun Opfer des russischen Überfalls. Kiesewetter hat Bedenken, ob nun nicht andere Länder davon abgeschreckt werden könnten, einen ähnlichen Weg wie die Ukraine zu gehen. Zumal die Russen die Ukraine offenbar nie wieder verlassen wollen. In den besetzten Gebieten hat Russland mittlerweile das ukrainische Fernsehen abgesetzt und den Rubel eingeführt. Militärexperten Major: „Die Russen sind da und wollen bleiben.“

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