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Ungeimpfter 19 Tage auf Intensiv: Als er verlegt wird, hat Arzt Tränen in Augen


Twitter-Nutzer erzählt seine Covid-Geschichte: Ungeimpfter liegt 19 Tage auf der Intensivstation: Als er verlegt wird, hat der Arzt Tränen in den Augen

19 Tage Intensivstation, nur noch zehn Prozent Lungenfunktion und jetzt eine Sauerstoffstation: In dramatischen Worten zeichnet ein Twitter-User über mehrere Tweets hinweg seinen Leidensweg nach seiner Corona-Infektion nach. Er war laut eigener Aussage ungeimpft. Weil er auf einen Totimpfstoff warten wollte.

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Ein Twitter-Nutzer hat an diesem Samstag seine Corona-Leidensgeschichte mit seinen rund 1200 Followern geteilt. Und die hat es in sich: Lauris M., nach eigener Aussage ungeimpft, war 19 Tage auf der Intensivstation und seine Lungenfunktion sackte bedrohlich weit ab. Heute braucht er eine Sauerstoffstation, die ihm beim Atmen hilft. In seinem Beitrag bezeichnet der Nutzer sie als seinen “neuen ständigen Begleiter”.


Schock auf der Intensivstation: Lungenfunktion sank auf zehn Prozent

Was war passiert? Wie der Nutzer schildert, sei Ende November über einen positiven PCR-Test festgestellt worden, dass er an der Delta-Variante des Coronavirus leide. Nach den ersten Symptomen habe er sich auf Anraten seines Hausarztes in die Klinik begeben. Dort dann der Schock: Innerhalb der ersten zwei Tage sei seine Lungenfunktion stark abgesackt. Bis auf gerade einmal zehn Prozent.


Welchen Wert er damit genau meint, bleibt offen, aber zum Vergleich: Ein Mensch, der an der Lungenkrankheit COPD leidet, weist für gewöhnlich noch maximal 70 Prozent seiner Lungenfunktion auf. Dabei wird die Menge Luft, die nach maximaler Einatmung innerhalb der ersten Sekunde bei maximaler Anstrengung ausgeatmet werden kann, gemessen. Bei schweren COPD-Fällen liegt dieser Wert bei unter 30 Prozent des Sollwertes.

Nach 19 Tagen Intensivstationen umarmt der Oberarzt den Patienten mit Tränen in den Augen

Wie dramatisch der Fall des Twitter-Nutzers war, sei ihm selber erst bewusst geworden, als er nach 19 Tagen von der Intensivstation verlegt werden konnte. Der Oberarzt sei an sein Bett getreten und habe ihn umarmt. Mit Tränen in den Augen. Er sei der einzige Patient gewesen, der in seinen 19 Tagen Aufenthalt hätte verlegt werden können.


Die Intensiv-Lage in Deutschland ist weiter angespannt. Die Zahl der Intensivpatienten hat sich in den vergangenen Tagen auf einem immer noch relativ hohen Niveau stabilisiert. Die Hospitalisierungsinzidenz (Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen) gab das RKI am Freitag mit 4,55 an. Zuletzt hatten deutlich weniger Landkreise Intensiv-Notstände gemeldet. Doch angesichts der nahenden Omikron-Welle und den überlasteten Pflegekräften warnen Experten davor, dass die Intensivkapazitäten auch schnell wieder schwinden können.

Divi-Chef gibt keine Entwarnung: “Die Auslastung ist weiterhin sehr hoch”

So sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, gegenüber der “Rheinischen Post”: “Die Auslastung ist weiterhin sehr hoch, die Arbeitsbelastung noch höher, die psychologische Belastung der Teams geht schon teilweise sehr an das Menschenmögliche. Denn die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen sinkt gerade auch, weil sehr viele Patienten versterben.”

Der Mathematiker Kristan Schneider hat für FOCUS Online vier Szenarien berechnet, wie viele Neuinfektionen eine Omikron-Welle, je nach Infektiösität, bringen kann. Das Ergebnis: Bis zu 700.000 im schlimmsten Fall. Wann? Wahrscheinlich im Februar oder März. Und auch wenn Omikron den bisherigen Erkenntnissen zufolge milder verläuft als Delta, würden die Intensivstationen wieder hart an ihre Grenzen geraten.

Twitter-User wollte auf Totimpfstoff warten: Nun ist er weiterhin auf das Sauerstoffgerät angewiesen

Doch zurück zum Twitter-User. Nach seiner Verlegung zurück auf die normale Station sei ihm klar geworden, wie viel Glück er gehabt habe. Seine Lungenfunktion liege nun bei rund 50 Prozent. Immer noch niedrig, aber kein Vergleich zu den zehn Prozent auf der Intensivstation. Sein Zustand verbessere sich ständig. Auf das Sauerstoffgerät sei er aber weiterhin angewiesen.


Der letzte Teil seines Beitrags zeigt dann, wie es überhaupt so weit kommen konnte: Der Nutzer wollte warten mit der Impfung. Auf den Tot- bzw. Proteinimpfstoff von Valneva oder Novavax. Erst kürzlich gab die Europäische Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Verwendung von Novavax in Europa.

Chef von Totimpfstoff-Hersteller: “Ich rate keinem, auf unseren Impfstoff zu warten”

Die Warterei des Nutzers fand jedoch ein jähes Ende, als ihn seine Corona-Infektion 19 Tage an die Intensivstation und danach an den Sauerstofftank fesselte. “Das war ein Fehler, der mich fast das Leben kostete und nun für einen anstrengenden Weg zurück ins normale Leben sorgt”, schreibt er dazu.


Ein “Fehler”, den sogar der Chef des Totimpfstoffherstellers Valneva unbedingt verhindern will: “Ich rate keinem, auf unseren Impfstoff zu warten”, sagte Thomas Lingelbach dem “Spiegel” vor einigen Tagen. Und weiter: “Ich habe einen Aufruf gemacht. Lasst euch jetzt impfen!”

Für den Twitter-User kommt diese Einsicht zwar zu spät, bei anderen Impfskeptikern sorgt seine Geschichte aber womöglich für ein Umdenken.

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