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Verdi erwartet viele Flugausfälle an deutschen Airports​



Sommerferien 2022
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Verdi erwartet Tausende Flugausfälle an deutschen Airports

Nicht nur in NRW stehen die Sommerferien vor der Tür. Und gerade jetzt ist mehreren Stimmen zufolge nicht mit einer Entspannung an den deutschen Flughäfen zu rechnen. Für die Passagiere könnte oftmals ein stressiger Urlaubsbeginn anstehen.

Vor der Hauptreisezeit ist nach Einschätzung von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) nicht mit einer baldigen Entspannung an deutschen Flughäfen zu rechnen. Von Parteien, Gewerkschaften und Luftverkehrsverbänden gab es am Wochenende wegen des Personalmangels an den Flughäfen und den angekündigten Streichungen von Flügen erneut wechselseitige Schuldzuweisungen.

„Kurzfristige Lösungen wären zwar äußerst wünschenswert, sind aber nicht sehr wahrscheinlich“, sagte Wissing der „Bild am Sonntag“. Die Situation im europäischen Luftverkehrssystem sei für alle „eine enorme Herausforderung“. Der Fachkräftemangel erreiche den Alltag der Menschen immer stärker.

Die Union warf dem Verkehrsminister Versäumnisse vor. Dieser könne „sich nicht einfach achselzuckend wegducken und die Menschen mit dem von der Ampel mitverschuldeten Verkehrschaos allein lassen“, kritisierte der CSU-Verkehrsexperte Ulrich Lange in der „BamS“.

Nach Angaben des Flughafenverbandes ADV sind in den Sicherheitskontrollen, beim Check-in sowie in der Flugzeugabfertigung rund 20 Prozent der Stellen unbesetzt. Auf der anderen Seite ist die Reiselust nach zwei Corona-Jahren enorm gestiegen. Lufthansa und die Tochter Eurowings streichen wegen Personalmangels allein mehr als tausend Flüge im Juli. Weitere Verbände der Luftverkehrs- und Reisebranche warnen vor langen Wartezeiten an Flughäfen während der Sommermonate.

Die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Christine Behle befürchtet wegen des Personalmangels an den Flughäfen massive Flugausfälle. Die bisher angekündigten Streichungen seien nur der Anfang. „Der Sommer wird chaotisch“, sagte Behle der „Augsburger Allgemeinen“. Diese Situation habe sich über Jahre entwickelt und die Pandemie habe „das Fass zum Überlaufen gebracht“.

Ursache der aktuellen Lage seien Einsparungen an Personalkosten um 30 bis 40 Prozent durch Outsourcing und Tarifflucht, sagte Behle. Der vorübergehende Lockdown an den Flughäfen habe darüber hinaus bei Dienstleistern zu Kurzarbeit und Entlassungen geführt, zudem hätten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pandemie andere Jobs gesucht. Dieses Personal fehle jetzt.

Auch für die Vorsitzende des Reisebüroverbandes VUSR, Marija Linnhoff, ist das Problem hausgemacht. Die Reiselust komme nicht überraschend, „doch zwei Jahre Personalabbau rächen sich jetzt“. Kurz vor der Sommersaison müsse nun „mit dem Schlimmsten gerechnet werden und neben den Urlaubern sollen es jetzt wieder die Reisebüros mit zig Stunden unbezahltem Krisenmanagment, das sich die Airlines und Veranstalter einsparen, ausbaden“, sagte Linnhoff der „Bild am Sonntag“.

Die Airlines wiesen indes die Vorwürfe zurück und machten die Politik für die Situation verantwortlich. „Die Aufhebung der Reisebeschränkungen ist von den Regierungen sehr kurzfristig entschieden worden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow. Deshalb habe es keine „verlässliche Planbarkeit bei der Personalausstattung für die Wiederaufnahme des Verkehrs“ gegeben.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr sieht Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in der Pflicht. Die Ministerin müsse „schleunigst mehr Bundespolizei in die Flughäfen bringen, damit die Schlangen an den Sicherheitskontrollen geringer werden“, erklärte Dürr am Sonntag. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) solle zudem dafür sorgen, dass die Bodendienstleister „schnell und unbürokratisch Leute einstellen können – gegebenenfalls mit befristeten Verträgen“.

(felt/AFP)



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