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Wall Street lustlos: Euphorie geht anders




Marktbericht

Stand: 12.01.2022 22:12 Uhr

So richtig gute Laune wollte an der Wall Street dann doch nicht aufkommen angesichts einer Inflation von sieben Prozent. Insgesamt bewegten sich die Kurse seitwärts. Der DAX hatte sich besser behauptet.

Mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent rettete sich der Dow Jones zu Handelsschluss über die Ziellinie. Die Technologiewerte an der Nasdaq tendierten etwas besser. Der Nasdaq-100 gewann 0,38 Prozent.

Immerhin: Mit der Veröffentlichung der Inflationsdaten für Dezember um 14.30 Uhr unserer Zeit scheint das Thema Zinswende erst einmal verdaut zu sein. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,0 Prozent. Das ist die höchste Inflationsrate seit dem Jahr 1982. So hoch die Ziffer auch ist: Analysten hatten diese Entwicklung erwartet. Die neuen Daten verstärken also die Zinssorgen nicht noch weiter.

Viele gehen zudem davon aus, dass die Teuerung ihren Gipfel erreicht hat. “Die gute Nachricht ist: In den kommenden Monaten wird die US-Inflationsrate in den Rückwärtsgang gehen, auch ohne Zutun der US-Notenbank (Fed)”, erklärte etwa Thomas Gitzel von der VP Bank. Dafür sorge allein schon der kleiner werdende Basiseffekt bei den Energiepreisen.

Der am Abend veröffentlichte Konjunkturbericht der Fed, das “Beige Book”, brachte kaum neue Erkenntnisse. Die Zentralbank verwies auf die jüngsten Probleme durch Lieferengpässe und einen Mangel an Arbeitskräften. Insgesamt sei die Wirtschaft der USA Ende des Jahres mit mäßigem Tempo gewachsen. Der Ausblick für die nähere Zukunft bleibe überwiegend positiv.

DAX macht weiter Boden gut

Der deutschen Aktienmarkt schnitt noch etwas besser ab. Der DAX schloss 0,4 Prozent höher und konnte sich über der runden Marke von 16.000 Punkten behaupten.

Das Thema Ukraine ist zuletzt wieder in den Hintergrund getreten. Immerhin reden die Kontrahenten über mehrere Kanäle miteinander, was das Risiko einer Eskalation derzeit geringer erscheinen lässt. Bei der ersten Sitzung des NATO-Russland-Rates seit etwa zweieinhalb Jahren gab es zwar keine Annäherung, doch sollen die Gespräche in der nächsten Zeit weitergehen.

Die Blicke könnten sich nun wieder auf die Ende der Woche in den USA startende Berichtssaison zum vierten Quartal richten.

Euro und Ölpreise steigen deutlich

Am deutlichsten reagierte der Devisenmarkt auf die US-Inflationsdaten: Der Euro sprang gegenüber dem Dollar über die Marke von 1,14 und erreichte mit Kursen über 1,1440 Dollar den höchsten Stand seit Mitte November. Auch hier setzen die Marktteilnehmer darauf, dass die Spitze der Inflation in den USA erreicht ist und die Fed nicht zu drastischeren Schritten zwingt.

Auch die Ölpreise profitieren von der Erwartung, dass die US-Notenbank die hohe Inflation in den Griff bekommen kann, ohne den konjunkturellen Aufschwung zu gefährden. Damit würde auch die Nachfrage nach Öl weiter anziehen. Ein Rückgang der Rohöllagerbestände in den USA trieb die Preise zusätzlich.

Großhandelspreise klettern um zehn Prozent

Auch die jüngsten Preisdaten aus Deutschland deuten auf eine hohe Teuerung hin. Die Großhandelspreise sind im vergangenen Jahr so stark geklettert wie seit fast 50 Jahren nicht mehr – um 9,8 Prozent. Eine höhere Steigerung gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts zuletzt 1974 während der ersten Ölkrise. Ein Grund für die Entwicklung ist die hohe Nachfrage nach Rohstoffen und Vorprodukten nach dem Corona-Tief.

E.ON setzt auf Dekarbonisierung

Nach Börsenschluss gab E.ON den Einstieg bei dem norwegischen Startup Horisont Energi bekannt. Der Essener Energiekonzern baut damit sein Geschäft mit sauberer Energie und der Dekarbonisierung aus. Die Partner wollen bei der Entwicklung eines “europaweiten Dienstleistungsangebots für die Abscheidung, den Transport und die Speicherung von Kohlendioxid” sowie der Produktion von sauberem Wasserstoff und Ammoniak kooperieren.

E.ON, das 25 Prozent an Horisont erwirbt, soll die Verantwortung für die Kohlendioxidabscheidung und -verflüssigung übernehmen, die 2019 gegründete Horisont den Transport und die Speicherung des Kohlendioxids. Beide Unternehmen planen auch ein Geschäft, das auf Beseitigung von Kohlendioxid basiert.

SMA Solar senkt Prognose deutlich

Im nachbörslichen Handel geriet die Aktie von SMA Solar unter Druck. Der Wechselrichterhersteller senkte am späten Abend seine Ergebnisprognose für das abgelaufene Jahr. Der Vorstand rechne nun mit einem operativem Ergebnis (Ebitda) zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Zuvor hatte SMA 50 bis 65 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Grund seien Mängel eines Teils der durch SMA zu wartenden Solarparks, die erst nach Abschluss des Service-Vertrags offenkundig geworden seien.

Post-Aktie gefragt

Zu den gefragtesten Titeln im DAX gehörte die Deutsche Post. Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für das Papier von 72,00 auf 75,05 Euro angehoben. Mit einem solchen Ziel geben Analysten ihre Kurserwartung der kommenden sechs bis zwölf Monate an. Seine Prognosen für das vierte Quartal des Logistikkonzerns lägen deutlich über den Konsensschätzungen, schrieb Analyst Samuel Bland in einer aktuellen Studie. Allerdings sei im ersten Halbjahr 2022 bei der Post im Gegensatz zur Branche ein geringeres Volumen im Privatkundenbereich zu erwarten, das die Ergebnisse schmälern könnte.

Durchwachsenes Jahr für VW

Die Pandemie und der Halbleitermangel in der Autoindustrie haben den Absatz des Volkswagen-Konzerns im vergangenen Jahr stark belastet. Von den Autos der Hauptmarke VW wurden rund 4,9 Millionen Fahrzeuge verkauft, acht Prozent weniger als im Vorjahr. Auf seinem wichtigsten Markt in China setzten die Wolfsburger 2,4 Millionen Fahrzeuge ab, ein Rückgang um 14,8 Prozent. In Westeuropa war das Absatzminus mit 5,3 Prozent niedriger. In Nordamerika legte das Unternehmen sogar zweistellig zu. Der Absatz der Elektroauto-Modelle konnte sogar um 95,5 Prozent auf 493.000 Stück gesteigert werden.

Die VW-Sportwagentochter Porsche hat dem Chipmangel erfolgreich getrotzt und im vergangenen Jahr sogar einen neuen Absatzrekord erzielt. Porsche verkaufte weltweit 301.915 Fahrzeuge, ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der erste Elektro-Porsche Taycan fand gut 41.000 Abnehmer, doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

BMW steigert sich

BMW konnte im vergangenen Jahr deutlich mehr Autos verkaufen. Mit allen Marken einschließlich Mini und Rolls-Royce erzielte die BMW-Gruppe weltweit ein Absatzplus von 8,4 Prozent auf 2,52 Millionen Autos. Allerdings hat auch der Münchener Autobauer im vierten Quartal unter fehlenden Teilen wie Elektronikchips gelitten, der Absatz im Schlussquartal sackte um 15,1 Prozent auf 510.727 Autos ab.

Teamviewer-Aktie hebt ab

Um fast 15 Prozent ging es mit dem MDAX-Titel Teamviewer nach oben. Der Software-Hersteller hat im vergangenen Jahr ein Betriebsergebnis zwischen 254 und 257 Millionen Euro erreicht. Das ist zwar weniger als im Vorjahr, liegt aber über den zuvor gesenkten Erwartungen. Finanzchef Stefan Gaiser, dessen im August auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde, machte als Grund dafür die ersten Ergebnisse der Maßnahmen zur Umsatzsteigerung und Kostenreduktion aus.

Philips bricht ein

Dagegen ging die Aktie des niederländischen Technologiekonzerns Philips in die Knie. Fehlende Elektronikbauteile belasten die Bilanz. Für das vierte Quartal geht das niederländische Unternehmen von einem Einbruch des Betriebsergebnisses um rund 40 Prozent auf etwa 650 Millionen Euro aus. Philips ruft Millionen Beatmungsgeräte zurück, weil ein darin verwendeter Schaumstoff mit der Zeit giftig werden könnte. Der Quartalsumsatz sank auf vergleichbarer Basis um zehn Prozent auf 4,9 Milliarden Euro.



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